Politik : Internationale Experten fordern Unabhängigkeit des Kosovo

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Brüssel/Pristina Die abtrünnige südserbische Unruheprovinz Kosovo muss nach Überzeugung einer internationalen Expertengruppe schnell unabhängig werden, um neue kriegerische Auseinandersetzungen zu vermeiden. Die albanische Mehrheit im Kosovo sei tief enttäuscht über ihre ungelöste staatsrechtliche Lage und neige zur einseitigen Ausrufung der Unabhängigkeit, heißt es in dem am Montag in Brüssel und Pristina veröffentlichten Bericht der Internationalen Krisengruppe. In diesem Fall werde voraussichtlich die serbische Minderheit die Armee des Mutterlandes Serbien zu Hilfe rufen, so dass ein neuer Krieg unvermeidlich sei, heißt es in dem Bericht weiter. Die Krisengruppe versteht sich als konfliktvorbeugende Organisation, der zahlreiche frühere Regierungschefs, Außenminister, Diplomaten, Unternehmer und Journalisten angehören, darunter unter anderem der frühere EU-Außenkommissar Chris Patten und der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark.

Schon in den nächsten Monaten muss nach diesem Konzept ein Zeitplan für die Unabhängigkeit der fast nur noch von Albanern bewohnten Provinz aufgestellt werden. Bis Mitte 2006 solle die heutige UN-Verwaltung (Unmik) alle Macht an die Kosovoregierung und das Parlament abtreten. Einzelheiten müsse eine internationale Kosovokonferenz festlegen, die für Ende 2005 zu planen sei.

Dem neuen Staat Kosovo muss nach diesem Vorschlag dauerhaft verboten werden, sich mit der benachbarten Republik Albanien zu vereinen. Die zweite Auflage ist der strikte Schutz der serbischen Minderheit. Die Einhaltung dieser Auflagen soll durch internationale Richter im Kosovo, eine internationale Kontrollkommission vor Ort und die langfristige Stationierung der heutigen Nato-geführten Schutztruppe Kfor sein.

Vertreter der serbischen Minderheit machten am Montag bei einem Gespräch mit EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn deutlich, das sie am Boykott der politischen Gremien im Kosovo festhalten werden. Rehn hatte sie aufgefordert, sich im Parlament, in der Regierung und in den Kommunen zu engagieren.dpa

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