Politik : Internationale Gipfeltreffen: Letzter Ausweg Afrika

Silvio Berlusconi hat von der Ausrichtung internationaler Gipfeltreffen erst einmal genug. Wenige Wochen nach den blutigen Ausschreitungen am Rande des G 8-Treffens in Genua, bei denen ein Demonstrant getötet und Hunderte Globalisierungsgegner und Polizisten verletzt wurden, sagte Italiens Regierungschef mit Blick auf den für November geplanten Welthungergipfel: "Zu riskant, verlegen wir den Gipfel." Gewaltbereite Globalisierungsgegner hatten schon in Genua angekündigt, dass der Gipfel in Rom für sie der nächste Auftritt sei: "Wir sehen uns wieder in Rom." Zum Welthungergipfel (5. bis 9. November) werden 180 Staats- und Regierungschefs, UN-Generalsekretär Annan und internationale Experten erwartet.

Im Gespräch mit Mitgliedern seiner Regierungsfraktion schlug Berlusconi nun vor, die Konferenz in die Dritte Welt zu verlegen, nach Afrika beispielsweise. Was als innerparteilicher Meinungsaustausch gemeint war, schnappte die Tageszeitung "La Repubblica" auf. Und die Reaktionen in Italien ließen nicht lange auf sich warten. Ein Sprecher der Welternährungsorganisation FAO in Rom will von einer Verlegung des Welthungergipfels nichts wissen: "Seit 50 Jahren ist der Sitz unserer Organisation in Rom. Das ist eine historische Tatsache, wir haben immer hier unsere internationalen Konferenzen veranstaltet." Die Einladungen seien verschickt worden, der Termin stehe fest.

Auch der linksdemokratische Fraktionsvorsitzende im Senat, Gavino Angius, meinte, eine Verlagerung käme einem Eingeständnis gleich, dass die politische Führung in Rom nicht im Stande ist, für die öffentliche Sicherheit zu garantieren: "Das wäre, als würde man den Vereinten Nationen sagen, sie sollten ihre Versammlungen nicht in New York abhalten."

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