Politik : Internationale Konferenzen: Grenzen der Flucht

Kurt Sagatz

Egal ob nun Seattle, Davos oder Göteborg, Weltwirtschaftstagung, Weltbanktreffen oder EU-Gipfel: Die großen Konferenzen werden begleitet von massiven Krawallen militanter Demonstranten, für die nationale Grenzen keine Hindernisse darstellen. All das will die Weltbank bei dem für den 25. und 26. Juni anberaumten Treffen "ABCDE Europe 2001" vermeiden. Nicht - wie ursprünglich geplant - in Barcelona, sondern im Internet sollen die Tagungsteilnehmer unbehelligt darüber diskutieren, wie mit den Schattenseiten der globalisierten Welt umzugehen ist.

Virtuelle Treffen also, als Modell für die Zukunft, nüchtern, aber effektiv. Registrierte Nutzer können ihre Gedanken in Online-Foren austauschen oder in Echtzeit-Chats mit Argumenten kämpfen. Technisch alles kein Problem. Wären da nicht die Tücken des Internets. Auch dort kennt der Protest nicht nur die friedlichen Formen. Die Online-Demo gegen die Lufthansa am Mittwoch versandete zwar mangels Beteiligung, andere Beispiele wie die Attacken gegen die Webseite der Welthandelsorganisation WTO belegen jedoch, wie wirksam der Internet-Protest sein kann.

Zwar hat das Beispiel Lufthansa gezeigt, dass technische Vorkehrungen gegen Online-Störer bis zu einem gewissen Grad möglich sind. Allerdings hat die Gruppe "Friends of Earth" dem britischen "Guardian" bereits erklärt, dass dies für die Barcelona-Ersatzveranstaltung nur eine weitere Herausforderung ist. Und die "Freunde der Erde" wissen, wovon sie reden. Schließlich haben sie bereits den Webserver des Weißen Hauses wegen Präsident Bushs Klimapolitik erfolgreich angegriffen.

Da wirkt es schon fast anachronistisch, wenn Österreich das Schengener Abkommen vom 25. Juni an für eine Woche außer Kraft setzen will, um die Einreise gewalttätiger Demonstranten zum "Weltwirtschaftsforum Osteuropa" in Salzburg vom 1. bis 3. Juli zu verhindern.

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