• Internationaler Währungsfonds: Moskau will Tschechen auf IWF-Chefposten - gegen den Willen Tschechiens

Internationaler Währungsfonds : Moskau will Tschechen auf IWF-Chefposten - gegen den Willen Tschechiens

Traditionell geht der IWF-Chefposten an einen Europäer. Die EU hat sich bereits auf den Franzosen Dominique Strauss-Kahn als gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Jetzt sorgt Moskau mit einem eigenen Kandidaten für Unruhe.

Moskau/PragRussland hat angekündigt, mit dem früheren tschechischen Zentralbankchef Josef Tosovsky einen eigenen Kandidaten für den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ins Rennen zu schicken. Russland habe Tosovsky am Dienstag im IWF-Rat nominiert, erklärte das Moskauer Finanzministerium. Die Regierung in Prag versicherte, sich weiter für den Kandidaten der Europäischen Union, Frankreichs ehemaligen Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn, einzusetzen. Dieser wird auch von den USA unterstützt. Der derzeitige IWF-Chef, der Spanier Rodrigo Rato, scheidet im Oktober vorzeitig aus dem Amt.

Tosovsky sei der passende Kandidat, hieß es in der Erklärung des Moskauer Finanzministeriums. Dem Vorschlag seien "weitreichende Konsultationen mit Kollegen anderer Länder" vorausgegangen. Die Mehrheit wolle, dass die Besetzung des IWF-Chefposten in einem Wettbewerb um fachliche Fähigkeiten bestimmt werde, hieß es weiter. Russland hatte Anfang des Monats angekündigt, "alle Kandidaturen" für den IWF-Chefposten zu prüfen, bevor es sich zur Kandidatur von Strauss-Kahn äußere. Im Juli hatte eine Gruppe von 24 Entwicklungs-und Schwellenländern, darunter China, Indien und Brasilien einen "transparenten Auswahlprozess" gefordert.

Tosovsky zeigte sich erfreut über den russischen Vorschlag. "Das ist eine große Ehre für mich, für den höchsten Posten des Internationalen Währungsfonds vorgeschlagen zu werden", erklärte er laut tschechischer Nachrichtenagentur CTK. Mehrere Finanzminister und Zentralbankchefs in aller Welt hätten ihre Unterstützung signalisiert. Kandidaten können sich bis zum 31. August bewerben.

Tschechien steht zu EU-Beschluss

Tosovsky "ist nicht der Kandidat der Tschechischen Republik", sagte Tschechiens Finanzminister Miroslav Kalousek dem Internetmagazin "aktualne". Prag werde den EU-Beschluss für eine Kandidatur des französischen Sozialisten Straus-Kahn unterstützen. Tschechien gehört seit 2004 der EU an. Die tschechische Wirtschaftszeitung "Hospodarske Noviny" kam zu dem Schluss, Russland wolle mit seinem Vorschlag zwischen die EU-Staaten "einen Keil treiben".

Der 56-jährige Tosovsky ist seit Ende 2000 Chef des Instituts für Finanzstabilität der Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Von 1993 bis 1997 sowie von 1998 und 2000 leitete er die tschechische Zentralbank. Unterbrochen wurde seine Zeit an der Spitze des Finanzinstituts 1998 durch eine kurze Zeit als Chef einer Übergangsregierung. Im Februar hatte die Zeitung "Dnes" berichtet, Tosovsky, der zwischen 1976 und 1989 Mitglied der Kommunistischen Partei war, habe vor der Wende für die kommunistische Geheimpolizei StB gearbeitet. Der Finanzexperte hatte die Anschuldigungen zurückgewiesen.

Der Chefposten beim IWF geht traditionell an einen Europäer - eine Praxis, gegen die sich Entwicklungsländer wehren. Der vor 63 Jahren gegründete IWF ist eine der mächtigsten Finanzinstitutionen der Welt. Sie hat zum Ziel, die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu fördern. Der bisherige IWF-Direktor Rato will das Amt aus persönlichen Gründen im Oktober vorzeitig abgeben. (mit AFP)

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