Internet : Gauck ist schon der Facebook-Präsident

Schon mehr als 20000 Fans hat die Facebook-Seite "Joachim Gauck als Bundespräsident". Aber es ist nicht die Opposition, die diese Seite gestartet hat.

Stephen Bench-Capon

Für fast alles gibt es eine Seite in Facebook. 541 Personen gefällt beispielsweise die Bananen-Seite. Die Äpfel-Seite nur 31. Bananen sind also weit voraus. Inwieweit die Facebook-Zahlen die Meinung der Öffentlichkeit genau widerspiegeln, wurde noch nicht belegt. Auf jeden Fall bekennen sich schon 21 206 Leute als Fan der Seite "Joachim Gauck als Bundespräsident". Das macht den Vorschlag, den ehemaligen Chef der Stasiunterlagenbehörde zum Präsidenten zu wählen, 686 Mal populärer als Äpfel. Und jeder mag doch Äpfel.
Der Gründer der Seite ist allerdings kein rot-grüner Fanatiker. Noch ist er Rostocker, besessen vom Regionalpatriotismus. Christoph Giesa kommt aus Hamburg, ist 29 Jahre jung und FDP-Mitglied. Gauck, den SPD und Grüne als Kandidaten ins Präsidentschaftsrennen geschickt haben, sei der richtige Präsident, denn "er hat kein Parteibuch" und sei "über Parteigrenzen hinweg wählbar". Es ist auch nicht seine erste Kampagne. Außer seinem Engagement bei den Jungen Liberalen in Rheinland-Pfalz ist er auch Aktivist bei der Facebook-Bewegung "Kann diese Brezel mehr Fans als Tokio Hotel haben?" Und mit Erfolg. Zurzeit liegt die Brezel mit 626 378 Anhängern klar vor den Teenie-Rockern.

Veranstaltungen sind geplant - auch in Berlin
Bemerkenswert für Facebook-Kenner ist, dass die Seite mehr als ein nutzloser Witz ist. Gruppen, die sich über langsame Fußgänger beschweren (I hate walking behind slow people!), haben zwar mehr Anhänger, aber etwas weniger konkrete Ziele. Bei "Joachim Gauck als Bundespräsident" werden bundesweit Unterstützungsveranstaltungen geplant. Der 17. Juni ist der angekündigte Aktionstag, an dem auf den Marktplätzen der Republik für "die Wahl des besseren Bundespräsidenten" demonstriert werden soll. Facebook-Benutzerin Julia Ma gab bereits am Dienstag bekannt, dass 12 Städte, inklusive Berlin und Potsdam, sich als Demonstrationsort gemeldet hätten.

Noch keine Wulff-Unterstützerseite
Mittlerweile gibt es noch eine zweite Seite "Joachim Gauck for President", die auch seine knapp 5000 Fans hat. Ob dieser Spaltung irgendwelche ideologischen bzw. wahlkampftaktischen Überlegungen zugrunde liegen, ist noch unklar. Sicher ist, dass Christian Wulff, Kandidat der CDU, CSU und FDP, sich freuen kann, dass die Wahlmänner und -frauen der Bundesversammlung, nicht die Facebook-User, den nächsten Bundespräsidenten bestimmen werden. Eine "Christian Wulff als Bundespräsident"-Seite gibt es nach aktuellem Stand nicht. Die Popularität des noch-niedersächsischen Ministerpräsidenten ist aber nicht ganz desolat. Nur 254 Personen sind Fan von der Seite "Christian Wulff nicht".

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