Internet in China : Peking sperrt 1,8 Millionen Nutzerkonten im Netz

China sperrt massenweise Konten in Sozialen Netzwerken und Online-Nachrichtendiensten. Die Behörden begründen den Schritt mit dem Kampf gegen Prostitution und Pornografie - doch viele Nutzer vermuten Zensur hinter der Kampagne.

Ein Mann sitzt in einem Internet-Cafe in Qingdao in China an einem Computer.
Ein Mann sitzt in einem Internet-Cafe in Qingdao in China an einem Computer.Foto: dpa

China hat im offiziellen Kampf gegen Prostitution und Pornografie massenweise Konten in Sozialen Netzwerken und Online-Nachrichtendiensten gesperrt. Seit April hätten chinesische Internetfirmen wie Tencent und Sina 1,8 Millionen Profile geschlossen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag unter Berufung auf die Cyberspace-Verwaltung des Landes.
Behörden überprüften demnach Profile des Instant-Messaging-Dienstes QQ, der Smartphone-App WeChat und des Mikrobloggingdienstes Weibo. Betroffen waren zudem Chat-Dienste der Unternehmen Alibaba und Baidu und des Telefonanbieters China Mobile. Allein WeChat hatte im vergangenen Jahr 272 Millionen aktive Nutzer, von denen mehr als ein Drittel im Ausland leben.
Die Staatsmedien unterstützen die Anti-Pornografie-Kampagne, die der Staat im April angekündigt hatte. Viele Nutzer in China vermuten allerdings eine Form der Netzzensur hinter solchen Kampagnen.

Am Freitag hatte der chinesische Onlineriese Alibaba beim größten Börsengang der Geschichte einen Rekord hingelegt. Noch nie hat ein Unternehmen bei seinem Aktiendebüt mehr Geld bei Investoren einsammeln können. Die bislang größten Börsengänge in den USA waren zuvor der Kreditkartenfirma Visa 2008, dem Autobauer General Motors bei seinem Neustart 2010 und Facebook im Jahr 2012 gelungen. Weltweit liegt die Agricultural Bank of China bislang an der Spitze.

Alibaba-Gründer Jack Ma baute sein Unternehmen trotz Zensur auf

Der Internet-Unternehmer Jack Ma hatte 1999 mit weiteren 17 Mitstreitern und einem Startkapital von 60.000 Dollar Alibaba.com gegründet. Als Büro diente seine Wohnung in Hangzhou, knapp 200 Kilometer südwestlich von Shanghai gelegen. Alibaba wurde zur ersten Internet-Handelsplattform in China. In den nächsten 15 Jahren formte Ma trotz der Zensur in seinem Heimatland daraus einen Konzern mit rund 25.000 Mitarbeitern und 300 Millionen Kunden.

Alibaba ist beim tatsächlichen Handelsvolumen nach eigenen Angaben größer als Amazon oder Ebay. Zu den großen Handelsplätzen des Konzerns gehören die Plattformen Taobao, Tmall und Juhuasuan. 231 Millionen Käufer und acht Millionen Verkäufer wickelten hier im vergangenen Jahr Geschäfte über 248 Milliarden Dollar ab. (dpa/rtr)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben