Internet : Jüdische Gemeinde entsetzt über "Hasspropaganda"

Nach der israelischen Militäraktion gegen die "Gaza-Solidaritätsflotte" schwillt der Hass auf Juden an, vor allem im Internet.

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Bei der Online-Community Facebook hat die Hetze ein Ausmaß erreicht, dass die Jüdische Gemeinde zu Berlin jetzt Polizei und Staatsanwaltschaft einschaltet. Sie sei geschockt, sagte die Vorsitzende der Gemeinde, Lala Süsskind. Die Behörden müssten alle rechtlich möglichen Schritte einleiten, „um die weitere Verbreitung dieser Hasspropaganda zu unterbinden“. Bei Facebook stehen Mordparolen wie „die scheiss juden alle wieder vergasen“ und „nur ein toter Jude ist ein guter Jude“. Die Sprüche lassen sich über eine externe Website finden. Gibt man dort einen Begriff ein, werden Einträge bei Facebook gezeigt. So wurde auch die Jüdische Gemeinde auf die Hetze aufmerksam.

In ihrem Hass auf Israel nähern sich zudem punktuell Neonazis und Islamisten an. Beim Internetportal Altermedia, in der braunen Szene besonders populär, wurde eine längere Erklärung aus der Homepage „Muslim-Markt“ eingestellt. Da wird Israel unter anderem als „zionistisch-rassistisches Gebilde“ bezeichnet.

Unterdessen haben sich am Mittwoch der israelische Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev, und der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, zu einem Gespräch getroffen. Ben- Zeev habe seine in den Medien geäußerte Kritik an den Politikern der Linkspartei, die sich auf einem Schiff der „Gaza-Solidaritätsflotte“ befunden hatten, bekräftigt, hieß es in der Botschaft. Von diesen Politikern sei nichts zu hören gewesen, als die Hamas von Gaza aus Israel mit tausenden Raketen beschoss, habe Ben- Zeev gesagt. Gysi hingegen protestierte laut einer Mitteilung der Linksfraktion „gegen den völkerrechtswidrigen Akt mit Toten und Verletzten gegen die Schiffe“ und gegen die Seeblockade des Gazastreifens durch Israel. Gysi und Ben-Zeev haben aber trotz ihrer Differenzen weitere Gespräche verabredet.

Der Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, attackierte hingegen Ben-Zeev. Es sei für einen Botschafter „höchst ungewöhnlich, sich im Gastland in die politische Debatte über die Medien einzumischen“, sagte Ernst, „das sollte er lieber dem Pressesprecher seiner Regierung überlassen“. Frank Jansen

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