Politik : Internet-Kinderpornographie: Vom Helden zum Störenfried

Werner Raith

Vier Wochen lang waren Fortunato Di Noto und Alfredo Ormanni die Helden der Nation: Di Noto, der Leiter des Kinderschutzbundes "Arcobaleno", hatte die russische Connection der Internet-Kinderpornographie entdeckt, und Staatsanwalt Ormanni aus Torre Annunziata bei Neapel war es gelungen, sich in die Netze einzuklinken und am Ende über 1700 Strafverfahren einzuleiten; darunter gegen gut 700 Personen im Ausland. Sechs Italiener wurden verhaftet, für drei Russen internationale Haftbefehle erlassen. Noch nie war ein derart umfassender Einbruch in den Kinderporno-Markt gelungen. Zudem konnte auf Grund der Bilder das Verschwinden etlicher Kinder auch aus Italien aufgeklärt werden.

Doch nun, kaum einen Monat nach der Blitzaktion, kam der Rückzug - nach einem Drehbuch, das fatal an jenes der Kinderschänder-Prozesse in Belgien erinnert. Schon kurz nach den Verhaftungen spürten die Aufklärer Gegenwind: Alle festgesetzen Personen wurden von den Gerichten sofort wieder freigesetzt. Der Hauptdrahtzieher in Moskau bot, trotz Amtshilfeersuchens aus Italien offenbar unbehelligt, seine Internetseiten unter anderem Namen erneut an. Und Italiens Politiker stellten sich taub, als Chefermittler Ormanni die gesetzgeberische Nachsicht gegenüber Pädophilen beklagte.

Ende vergangener Woche kündigte nun Di Noto an, er werde nicht mehr mit den Gerichten zusammenarbeiten. Staatsanwalt Ormanni zeigte dafür Verständnis und sprach von einer "regelrechten Pädophilen-Lobby", zu der auch eine Reihe von Politikern gehöre - wenn auch "vielleicht nur unbewusst". Seither verlangen Vertreter aller Parteien, der Chefermittler solle "Namen nennen" oder seinen Hut nehmen - wohl wissend, dass der Staatsanwalt nicht aus einem laufenden Verfahren plaudern darf. Genau das will Di Noto nun aber tun - zunächst gegenüber Staatspräsident Ciampi. Dieser steht jetzt unter Druck, dem Mann keine Audienz zu gewähren. Und die Politiker nutzen die Atempause mit dem Versprechen von allerlei Strafverschärfungen. Das aber beruhigt niemanden. Denn hohe Strafandrohungen gibt es bereits. Wer Kinderpornos besitzt, kann bis zu drei Jahren Gefängnis verurteilt werden, Hersteller einschlägiger Kassetten oder Bilder bis zu 12 Jahren. Doch die erwischten Kinderschänder profitierten von einem anderen Gesetz, das bei Geständigkeit hohe Strafnachlässe verheißt. So bekamen sie am Ende gerade mal 12 bis 18 Monate. Auf Bewährung.

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