Internet : Umstrittene Mohammed-Seite auf Facebook gelöscht

Eine Facebook-Seite mit dem Aufruf zur Einsendung von Karikaturen des Propheten Mohammed ist aus dem Sozialnetzwerk verschwunden. In Pakistan hatte der Aufruf Empörung ausgelöst. Dort wurde auch der Zugang zu Youtube und 800 weiteren Websites gesperrt.

In zahlreichen Städten Pakistans gingen am Freitag Demonstranten aus Protest gegen Facebook auf die Straße.
In zahlreichen Städten Pakistans gingen am Freitag Demonstranten aus Protest gegen Facebook auf die Straße.Foto: AFP

Das im US-Bundesstaat Kalifornien ansässige Internetunternehmen teilte am Freitag mit, es habe mit der Löschung nichts zu tun. Offenbar entschloss sich der Urheber des Aufrufs, die Seite und einen dazu gehörigen Blog zu schließen, die in Pakistan Empörung ausgelöst hatten.

"Facebook hat nichts gegen die Seite unternommen", teilte das US-Unternehmen mit. In Pakistan ist der Zugang zu dem Internetsozialnetzwerk seit Mittwoch gesperrt. Am Dienstag hatte die Regierung in Islamabad bereits die betreffende Seite geschlossen, auf der das westliche Facebook-Mitglied einen Wettbewerb zum "Tag der Zeichnungen Mohammeds" gestartet hatte, der am Donnerstag stattfinden sollte. Die Verbildlichung Mohammeds ist im Islam streng verboten.

Auch das Video-Portal YouTube, hunderte weitere Websites und Links wurden in Pakistan gesperrt. Insgesamt seien 800 Seiten und Internetadressen blockiert worden, um den Zugang zu "blasphemischem" Material zu beschränken, sagte ein Sprecher des Verbandes der Internetprovider, Wahaj us Siraj. Nur die Pakistanische Telekommunikationsbehörde könne über eine erneute Freischaltung von Facebook und Youtube entscheiden, wenn sie entsprechende Anweisungen der Regierung erhalte.

In zahlreichen Städten des Landes gingen am Freitag Demonstranten aus Protest gegen Facebook auf die Straße. In der ostpakistanischen Stadt Lahore versammelten sich rund 3000 Menschen. Sie riefen US-feindliche Parolen und zündeten Fahnen von skandinavischen Ländern und der USA an.

In Südafrika druckte die Wochenzeitung "Mail & Guardian" als Reaktion auf die Kontroverse um den Facebook-Aufruf am Freitag eine Mohammed-Karikatur. Der südafrikanische Rat muslimischer Theologen hatte nach Angaben der Zeitung vergeblich versucht, die Veröffentlichung per einstweiliger Verfügung verbieten zu lassen. Die Geistlichen hatten demnach vor Gericht argumentiert, die Karikatur könnte zu Gewalt während der Weltmeisterschaft führen. Sie wird vom 11. Juni bis zum 11. Juli in Südafrika ausgetragen.

Im September 2005 hatte die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" zwölf Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, die Anfang 2006 teilweise gewalttätige Proteste von Muslimen in der ganzen Welt hervorriefen. (AFP)

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