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Interpol hebt Red Notice auf : Steht Dogan Akhanli vor Rückkehr nach Deutschland?

Vor einer Woche hat die Türkei den Schriftsteller in Spanien festnehmen lassen. Nun entfällt die Grundlage - ein Dringlichkeitsvermerk von Interpol.

Dogan Akhanli am Montag bei einer Pressekonferenz in Madrid nach seiner Freilassung. Foto: imago/Agencia EFE
Dogan Akhanli am Montag bei einer Pressekonferenz in Madrid nach seiner Freilassung.Foto: imago/Agencia EFE

Der Schriftsteller Dogan Akhanli hat eine Woche nach seiner vorübergehenden Festnahme in Spanien offenbar Aussicht auf eine Rückkehr nach Deutschland. Wie "Der Spiegel" berichtet, hat die internationale Polizeibehörde Interpol den Dringlichkeitsvermerk "Red Notice" aufgehoben. Das Auswärtige Amt bestätigte dem Magazin demnach den Vorgang. "Wir freuen uns, dass Interpol die 'Red Notice' gegen Dogan Akhanli gelöscht hat", wurde eine Sprecherin zitiert. Staatssekretär Walter Lindner stehe deshalb mit dem spanischen Außenministerium in Kontakt.

Akhanli war am vergangenen Samstag auf Drängen der Türkei in seinem Urlaubsort in Granada festgenommen worden. Außenminister Sigmar Gabriel hatte sich persönlich für eine Freilassung des türkischstämmigen Autors eingesetzt. Am Sonntag kam er wieder auf freien Fuß, durfte Spanien danach jedoch nicht verlassen, weil ein Auslieferungsverfahren noch in der Schwebe ist. Für ein förmliches Auslieferungsersuchen hat die Türkei 40 Tage Zeit. Grundlage des zwischenstaatlichen Verfahrens ist jedoch der Dringlichkeitsvermerk, der nun entfällt. Der "Spiegel" weist allerdings darauf hin, dass die Reaktion der spanischen Behörden noch aussteht.

Das Auswärtige Amt hatte sich bereits am Wochenende zuversichtlich gezeigt, dass Spanien den Schriftsteller nicht ausliefern wird. "Dass ich in Europa nicht in Sicherheit bin, hat mich schockiert", sagte Akhanli selbst nach seiner Freilassung. 

Der Autor war 1991 nach Deutschland geflohen, 2001 nahm der Türkei-kritische Autor die deutsche Staatsbürgerschaft an. Die Türkei wirft ihm unter anderem vor, in einen bewaffneten Raubüberfall verwickelt gewesen zu sein. Akhanli vermutet dagegen, er solle mundtot gemacht werden. In seinen Büchern thematisiert er auch den Völkermord mit den Armeniern. (Tsp, AFP)

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