• Interview mit dem Zivildienstbeauftragten Dieter Hackler: "Wir wollen keine Zivildienststellen streichen"

Politik : Interview mit dem Zivildienstbeauftragten Dieter Hackler: "Wir wollen keine Zivildienststellen streichen"

Die Stimmen von Politikern[die den Zivildienst &u]

Dieter Hackler (45) ist seit acht Jahren Bundesbeauftragter für den Zivildienst. Wie sein Vorgänger Peter Hintze ist er evangelischer Pfarrer. Mit Hackler sprach Matthias Meisner.

Die Stimmen von Politikern, die den Zivildienst über die Regierungspläne hinaus kürzen wollen, mehren sich. Sind wir auf dem Weg zur völligen Aufhebung der Dienstpflicht?

Ein ganz klares Nein. Es muß einen Abstand zwischen Wehr- und Zivildienst geben, das hat das Verfassungsgericht festgelegt. Die Bereitschaft, die längere Dienstdauer in Kauf zu nehmen, ist ein Indiz für die Ernsthaftigkeit der Gewissensentscheidung.

Die Verkürzung macht den Zivildienst attraktiver, zugleich steigt - unter anderem vor dem Hintergrund der Auslandseinsätze der Bundeswehr - die Zahl der Kriegsdienstverweigerer. Fehlt es bald an Stellen für Zivildienstleistende?

Wir haben derzeit 185 000 Zivildienstplätze. Wir gehen davon aus, dass weiterhin jeder anerkannte Kriegsdienstverweigerer zum Zivildienst herangezogen wird.

Absehbar ist doch aber, daß die Zahl der Stellen verringert wird?

Wir wollen keine Zivildienststellen streichen, sondern wir verringern die Zahl der im Dienst befindlichen Zivildienstleistenden im Jahresdurchschnitt durch die Verringerung der Zivildienstzeit von 13 auf elf Monate.

Aber bis zum Jahr 2003 wollen sie im Jahresdurchschnitt bei 110 000 Zivildienstleistenden angelangt sein.

Dies sind die Zahlen der mittelfristigen Finanzplanung.

Die Wohlfahrtsverbände befürchten jetzt Engpässe bei der Versorgung. Zu Recht?

Jede Umstellung bringt gewisse Probleme. Doch die Wohlfahrtspflege hat in Zusammenarbeit mit der Zivildienstverwaltung in den vergangenen 30, 35 Jahren den Zivildienst immer gut organisiert. Ich bin sicher, daß wir die anstehenden Probleme gemeinsam lösen werden.

Aus dem Kreis der Wohlfahrtsverbände ist vorgeschlagen worden, das Einberufungshöchstalter von derzeit 25 Jahren für Zivildienstleistende herabzusetzen. Was halten Sie davon?

Nichts. Dies würde die Zivildienstverwaltung in äußerste Schwierigkeiten bringen, weil dann alle Zivildienstpflichtigen in noch kürzerem Zeitraum den Zivildienst durchlaufen müssten.

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