• Interview mit Grünen-Chefin Simone Peter: „Mein Vater fährt seit 30 Jahren Elektromobile“

Interview mit Grünen-Chefin Simone Peter : „Mein Vater fährt seit 30 Jahren Elektromobile“

Vor einer Woche wählten sie die Grünen zur neuen Vorsitzenden. Im Interview spricht Simone Peter nun über die wahren Linken, eine echte Energiewende und den richtigen Umgang mit den USA.

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Die Parteilinke tritt die Nachfolge Claudia Roths an.
Die Parteilinke tritt die Nachfolge Claudia Roths an.Foto: Thilo Rückeis

Frau Peter, Sie definieren die Grünen als Partei der linken Mitte. Was ist für Sie eigentlich links?

Links ist für mich eine Politik, die für Gerechtigkeit innerhalb einer Generation, aber auch zwischen den Generationen sorgt. Sie setzt auf Nachhaltigkeit, also auf die Versöhnung von Umwelt, Wirtschaft und sozialer Verantwortung.

Diesen Satz hätte auch die CDU-Chefin unterschreiben können. Ist Frau Merkel links?

Die Definition von Nachhaltigkeit hätte sie vielleicht unterschreiben können, aber sie handelt komplett anders. Sie ignoriert das Elend der Flüchtlinge an Europas Außengrenzen. Sie blockiert Frauenquoten und die Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Sie steht dafür, dass die Schere zwischen Arm und Reich in diesem Land immer weiter auseinandergeht. Und sie nimmt die Autolobby ernster als den Klimaschutz.

Ist die Linkspartei links?

Bei der Linken fehlt mir der Gedanke, dass eine Gesellschaft auch über Generationen hinweg gerecht sein muss. Uns geht es um bezahlbare Energiepreise auch für unsere Kinder und dass auch sie noch saubere Luft zum Leben und Atmen haben.

Grenzen Sie nicht diejenigen aus, die sich als grün verstehen, aber nicht als links?

Das Links-Rechts-Schema hilft bei der Beantwortung dieser Frage nicht weiter. Wir Grüne wollen mit unseren Kernthemen, die wir wieder stärker nach vorne stellen, gesellschaftliche Mehrheiten gewinnen. Dazu gehören die Umwelt und die Energieversorgung, Bildung oder eine offene, solidarische Gesellschaft.

Sie sind in einem sozialdemokratischen Elternhaus groß geworden. Ihre Mutter war Arbeitsministerin im Kabinett von Oskar Lafontaine. Wie hat Sie das geprägt?

Das hat mich stark geprägt. Meine Mutter hat schon in den 70er Jahren die Frauenpolitik vorangebracht und in der SPD die Frauenquote mit durchgefochten.

… und Ihrer Tochter mitgegeben, dass sie sich nicht unterbuttern lassen soll?

(lacht) Und das schon seit Kindheitstagen. Wenn sie Spielzeug gekauft hat, hat sie stets protestiert, dass zum Beispiel auf Legopackungen nur bastelnde Jungs zu sehen waren. Bei meinen Eltern hat außerdem das aktive Engagement für Solidarität und soziale Gerechtigkeit vor Ort eine große Rolle gespielt.

Sie selbst sind Ende der 80er in die grüne Partei eingetreten. Warum?

Mit meinen Brüdern habe ich gegen Atomkraftwerke protestiert, und wir waren bei den großen Friedensdemonstrationen. Wir haben sehr früh auch zu Hause die Alternativen zur Atom- und Kohlekraft diskutiert. Mein Vater fährt seit nahezu 30 Jahren Elektromobile, die aus der Solaranlage vom Dach mit Strom versorgt werden. Für mich war das selbstverständlich. Die Grünen waren damals die Partei meiner Generation mit genau diesen Themen.

Können Sie uns kurz erklären, wie eine vernünftige Energiewende aussehen muss?

Wir produzieren in Deutschland inzwischen ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energien. Wenn wir die Energieversorgung ganz auf Sonne, Wind und Co. umstellen wollen, müssen wir jetzt die Weichen dafür stellen. Der Atomausstieg ist beschlossen, als Nächstes müssen die Kohlekraftwerke vom Netz. Solange massiv Kohlestrom in die Netze gedrückt wird, besteht die Gefahr, dass nicht mehr in Sonnen- und Windkraftanlagen investiert wird. Die großen Konzerne haben die Energiewende bisher verschlafen. Deshalb setzen wir auf eine dezentrale Struktur: Dort, wo die Bürgerinnen und Bürger über Energiegenossenschaften eingebunden sind und Mittelständler sich einbringen können, funktioniert die Energiewende am besten und wird auch akzeptiert. Ich fürchte aber, dass die Kohlefreunde aus SPD und Union die Energiewende gemeinsam vor die Wand fahren.

Hätte sich nicht allein deswegen Schwarz- Grün gelohnt?

Tatsache ist doch, das gerade beim Thema Energie Union und SPD schnell zusammenfinden: Beide wollen Vorfahrt der Kohle, haben vor allem die Interessen der großen Energiekonzerne im Blick und sind gern der deutschen Autoindustrie zu Diensten, wenn es gegen den Klimaschutz geht. Für die Union wäre es mit uns da richtig ungemütlich geworden. Denn es reicht nicht, wenn Frau Merkel den Grünen bei der Energiewende Zugeständnisse macht, aber nicht bereit ist, über Grenzwerte für den Kohlendioxidausstoß zu reden. Die braucht es, wenn wir beim Klimaschutz und einer echten Energiewende vorankommen wollen. Das war der Grund, warum Frau Merkel die Tür schnell wieder zugemacht hat.

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