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Interview mit Michael Vassiliadis : „Bei der Energiewende fehlt ein professionelles Management“

20.12.2012 00:00 Uhrvon
Michael Vassiliadis ist Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie und Mitglied der Ethikkommission. Das Gespräch führte Alfons Frese.Bild vergrößern
Michael Vassiliadis ist Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie und Mitglied der Ethikkommission. Das Gespräch führte Alfons Frese. - Foto: picture alliance / dpa

Viele Experten zweifeln am Erfolg der Energiewende. Der Tagesspiegel sprach mit dem Gewerkschaftsvorsitzenden, Michael Vassiliadis ,über Netzausbau, Windkraft und das Erneuerbare Energien Gesetz.

Herr Vassiliadis, glauben Sie noch an die Energiewende?

Die Ethikkommission hat ja schon Mitte 2011 gesagt, die Energiewende kann gelingen, wenn man es gut macht. In diesem Jahr wurde vieles nicht gut gemacht.

Zum Beispiel?

Noch immer fehlt ein professionelles Management, um das Interessengestrüpp zu durchdringen.

Immerhin gibt es jetzt Beschlüsse zum beschleunigten Netzausbau und zur Gebäudesanierung.

Die Mittel reichen nicht annähernd, um bei der Gebäudesanierung, also beim Energiesparen, einen Sprung nach vorne machen zu können.

Und ob die Weichen für den Netzausbau richtig gestellt sind, werden wir beim Rennsteig sehen: Wenn die Leitung nicht 2015 fertig ist, bekommen wir im Süden Probleme mit der Versorgung.

Wirtschaftsminister Rösler zufolge ist die Versorgung sicher.

Mit der Netzstabilität in Deutschland waren wir einmal weltweit führend. Inzwischen sind aber die Puffer, die wir hatten, komplett aufgezehrt, und es gab bereits kritische Situationen. Das ist vor allem für die Industrie bedrohlich.

Warum?

Romantische Abende bei Kerze gibt es in Fabriken nicht. Wir haben vielmehr eine hohe Anfälligkeit in der industriellen Produktion – schon kleinste Stromschwankungen können größte Schäden anrichten.

Grund zum Klagen über die Energiewende haben aber vor allem private Verbraucher.

Das ist richtig, vor allem Einkommensarme und Geringverdiener sind überdurchschnittlich von Preissteigerungen betroffen. Deshalb bin ich dafür, einen Teil der zusätzlichen Belastungen über Steuern zu finanzieren. Es ist zum Beispiel ungerecht, die Haftung für Offshore-Windenergie bei den Verbrauchern abzuladen.

Hat sich das Erneuerbare-Energien-Gesetz überlebt?

In dieser Form ja. Als Instrument, das einen Impuls setzen sollte, hat es sich bewährt. Das langfristige Renditeversprechen für die Anbieter von Ökostrom ist aber nicht mehr finanzierbar. Wir brauchen jetzt neue Instrumente, die effektiver sind und Innovationen anschieben, ohne die Verbraucher weiter zu belasten.

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