Politik : Interview mit Orient-Experte Udo Steinbach über die Friedensverhandlungen

Gibt es in Israel eine Mehrheit für einen Fri

Udo Steinbach (56) ist Leiter des Deutschen Orientinstituts in Hamburg. Mit dem Experten sprach Armin Lehmann über die Friedensverhandlungen zwischen Israel und Syrien.

Gibt es in Israel eine Mehrheit für einen Friedensschluss mit Syrien?

Davon bin ich überzeugt. Ich glaube auch, dass ein Referendum bei einem Friedensabkommen positiv ausfallen würde. Natürlich wird die Frage sein, zu welchen Bedingungen ein Abschluss zustande kommt. Wird Syrien glaubhaft machen können, dass es zu einem wirklichen Frieden bereit ist?

Was meinen Sie mit glaubhaft?

Die syrische Seite muss klar sagen, dass es zu einem umfassenden Friedensabkommen bereit ist und dieses auch verlässlich einhält. Und zwar in allen Bereichen, also politisch, menschlich und wirtschaftlich.

Es geht vor allem um den Abzug Israels aus dem Golan. Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

Syrien will, dass Israel sich aus dem gesamten Golan zurückzieht, das entspricht den Grenzen von 1967. Israel will vor allem Sicherheit. Dazwischen wird der Kompromiss liegen. Israel ist womöglich sogar zu einem vollständigen Rückzug bereit, aber nur, wenn Syrien entsprechende Sicherheitskontrollen einführt und die Überwachung des Abkommens garantiert. Israel wird auch auf eine eigenständige Kontrolle nicht verzichten wollen, so dass es nicht nur internationale Beobachter geben kann.

Neben Golan geht es auch um Wasser.

Richtig. Die Wasservorräte müssen geteilt werden, schließlich beziehen alle Länder ihr Wasser aus den gleichen Vorräten.

Wenn Isreal den Südlibanon räumt und Syrien sich über die libanesischen Interessen hinwegsetzt, werden dann die radikalen Kräfte in Libanon gestärkt?

Das ist sehr unwahrscheinlich. An einem umfassenden Abkommen sind die Syrer so interessiert wie die Libanesen. Wenn es zu einem Abkommen kommt, werden alle versuchen, die Haltbarkeit des Abkommens zu beweisen. Zudem sind die Dinge im Wandel, auch die Iraner unterstützen die Hisbollah nicht mehr so eindeutig wie früher im Sinne einer Haltung zugunsten radikal-islamischer Kräfte.

Können Sie sich eine Freizone für Touristen am See Genezareth vorstellen?

Oh ja, das wäre ein sehr interessanter Punkt einer umfassenden Regelung. Es wäre auch im syrischen Interesse, diese historisch so wichtige Region zu öffnen, nicht nur für das Vertrauen, sondern auch der Ökonomie wegen. Es wäre auch ein Ansatz für die wirtschaftliche Integration, was sich alle Beteiligten wünschen sollten.

Falls es zu einer Einigung kommt, welchen Anteil hätte die USA daran?

Die USA haben die Dinge entscheidend in Bewegung gesetzt. Sie werden zusammen mit Europa sicher auch ein Interesse daran haben, einen finanziellen Beitrag zu leisten.

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