Interview : "Putin ist ein Gewalttäter"

Der Grünen-Europapolitiker und frühere DDR-Bürgerrechtler Werner Schulz warnt davor, Russlands Präsidenten zu unterschätzen - und geht besonders mit der Linkspartei hart ins Gericht.

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Werner Schulz
Werner Schulz kandidiert nicht mehr für das EU-Parlament.Foto: Alice Epp

Der Grünen-Europaabgeordnete Werner Schulz hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, in der Krise um die Ukraine auch auf eine Schwächung der Europäischen Union hinzuarbeiten. „Er legt es darauf an, die EU zu schwächen“, sagte Schulz dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Putin unterstütze die Rechtsextremisten in Europa „moralisch, politisch und ideologisch“, betonte Schulz. „Denn sie haben das gleiche Weltbild wie er.“ Der russische Präsident hoffe, dass die Rechtsextremisten bei der Europawahl gestärkt ins EU-Parlament einziehen würden. Den Deutschen warf Schulz vor, den russischen Präsidenten lange falsch eingeschätzt zu haben. „Wir haben Putin unterschätzt, diesen Gewalttäter.“ Der frühere DDR-Bürgerrechtler betonte, dass die Demonstrationen in Dresden 1989 für den damaligen KGB-Offizier ein einschneidendes Erlebnis gewesen seien. „Seitdem hat Putin panische Angst vor Massenprotesten.“  

Schulz wirft Gysi „verlogenen Antifaschismus“ vor

Die Haltung der Linkspartei in der Ukraine-Krise kritisiert Werner Schulz scharf. Dem Fraktionschef der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, wirft der frühere DDR-Bürgerrechtler im „Tagesspiegel am Sonntag“ „verlogenen Antifaschismus“ vor. „In der DDR wurde der Volksaufstand 1953 als faschistischer Putsch dargestellt und die Mauer als antifaschistischer Schutzwall verklärt, auch von Gysi“, sagte Schulz. „Heute sagt die Linke, in Kiew seien Faschisten an der Macht.“ Auf der Krim habe es Plakate gegeben, auf denen das Referendum als Wahl zwischen Hakenkreuz und Russland dargestellt wurde. „Gysi haut wider besseren Wissens in die gleich Kerbe.“ Einer rot-rot-grünen Koalition erteilte Schulz, der nun aus dem EU-Parlament ausscheidet, eine klare Absage. „Außenpolitisch passt das nicht zusammen. Und sozialpolitisch kommen wir auch nicht auf einen Nenner.“ Er hoffe, „dass sich die Linkspartei noch weiter demaskiert“. Zur Lage seiner eigenen Partei sagte Schulz, die Grünen bräuchten „mehr Führung“ oder „jemanden, der etwas wagt“.

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