Investmentbanker : Heuschrecken füttern

Warum der Staat über amerikanische Investmentbanker einen Schirm spannt.

Antje Sirleschtov

Berlin - 35 Milliarden Euro beträgt der Bürgschaftsrahmen, den die Bundesregierung vor wenigen Wochen in einer spektakulären Aktion der Münchner Hypo Real Estate (HRE) zur Verfügung gestellt hat, weil sie eine „systemrelevante“ Bank sei, wie sie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) bezeichnet hat. Und Angela Merkel wehrte später kritische Fragen nach eventueller Unterstützung von Bankern durch den Staat mit dem Hinweis ab, hier gehe es „einzig um die Interessen der Bürger und Bürgerinnen“.

Recht haben die beiden Krisenmanager – aber nur zum Teil. Denn keinesfalls werden durch den Schutzschirm, den der Staat über der HRE aufgespannt hat, nur Einlagen von öffentlichem Interesse vor dem Totalverlust geschützt. Sondern auch die einer illustren Anzahl von internationalen Investmentbankern, die in den vergangenen Jahren rund um den Globus gute Geschäfte gemacht haben und die der designierte SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering seit Jahren mit dem Begriff „Heuschrecke“ belegt.

Auch eine der fettesten Heuschrecken in Amerika hockt mittlerweile unter Peer Steinbrücks Regenschirm. Es ist der Amerikaner J. C. Flowers, der in diesem Frühsommer – also mitten in der Finanzkrise – über eine Investorengruppe 24,9 Prozent an der HRE-Holding erworben hat. Der 50-jährige Gründer der gleichnamigen Private-Equity-Gesellschaft hat das Finanzgeschäft als junger Mann bei Goldman Sachs gelernt, wo er mit 31 Jahren der jüngste Partner in der Geschichte des namhaften Unternehmens wurde. Rund zwei Milliarden Dollar hat Flowers laut Forbes-Liste an Privatkapital und steht damit auf Platz 239 der 400 reichsten Amerikaner.

Doch damit nicht genug der Investmentbanker, die an der HRE beteiligt sind. Weitere gut neun Prozent gehören der Capital Research and Management Company, einem Global Player der Investmentbranche mit Sitz in Los Angeles. Sieben Prozent gehören der Grove International Partners in New York und fast elf Prozent zwei Investmenthäusern, Close Trustees und Orbis Investment Management, die auf den Cayman-Inseln und in Hamilton, Bermuda, zu Hause sind.

Großaktionär Flowers gilt in privaten Bankkreisen als eine „gute“ Heuschrecke, rühmt er sich doch, seine Investitionen langfristig zu halten. Und auch auf dem Höhepunkt der Turbulenzen um HRE hieß es aus seinem Unternehmen, es gebe kein Interesse daran, diese langfristige Strategie infrage zu stellen. Flowers’ Interesse, sagt man, sei seit langem auf die deutsche Finanzwirtschaft gerichtet. So hat er sich – wenn auch ohne Erfolg – beim Verkauf der Berliner Bankgesellschaft zu Wort gemeldet und im Oktober 2006 von der Westdeutschen Landesbank West LB gut 26 Prozent der HSH Nordbank erworben.

Warum die Bundesregierung ungeachtet der Eigentümerstruktur der HRE ihre schützende Hand über das Finanzinstitut gelegt hat, hat Peer Steinbrück zuletzt am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung der Karl-Schiller-Stiftung beschrieben. Bei der HRE, sagt er, hätten nicht nur Kommunen, Wohlfahrtsverbände und berufsbezogene Versorgungswerke die Renteneinlagen ihrer Mitglieder angelegt. Bei Totalausfall wären auch Millionen Krankenversicherte betroffen, deren Kassen Kunden der HRE sind.

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