• IRA öffnet Waffenlager: Unabhängige Inspekteure versiegeln Depots der Untergrundorganisation. Erleichterung in Dublin

Politik : IRA öffnet Waffenlager: Unabhängige Inspekteure versiegeln Depots der Untergrundorganisation. Erleichterung in Dublin

Martin Alioth

Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) hat ihre Versprechungen vom 6. Mai erfüllt: Am Montag wurde offiziell bestätigt, dass die illegale Untergrundorganisation erstmals einige ihrer geheimen Waffenlager von zwei unabhängigen Inspekteuren kontrollieren ließ. Der Finne Martti Ahtissari und der Südafrikaner Cyril Ramaphosa konnten sich in den letzten Tagen incognito davon überzeugen, dass diese Waffen sicher gelagert sind. Der irische Premierminister Bertie Ahern fügte hinzu, dass diese Waffenlager nun versiegelt seien. Die IRA könne also den Inhalt der Lager nicht mehr ohne Wissen der beiden Inspekteure benutzen.

"Das ist ein guter Tag", kommentierte ein hörbar erleichterter Ahern im irischen Rundfunk. Die überraschenden Zusicherungen der IRA hatten vor sieben Wochen die Grundlagen für die seither erfolgte Rückkehr zur nordirischen Selbstverwaltung gelegt. Die Inspektionen, die gemäß damaligem Wortlaut "in einigen Wochen" erfolgen sollten, gelten als vertrauensbildende Maßnahme, bevor die paramilitärischen Arsenale endgültig unschädlich gemacht werden können.

Die IRA berief sich am Montag erneut auf die Erklärung des britischen und des irischen Premierministers vom 5. Mai, die unter anderem eine umfassende Polizeireform angekündigt hatten. Da einige der Reformempfehlungen in der Zwischenzeit verwässert worden sind, hatten sich schon Befürchtungen geregt, die IRA werde ihre Waffenlager nicht rechtzeitig öffnen. Das hat sich nun als gegenstandslos erwiesen. Der Zeitpunkt der IRA-Geste scheint besonders bedeutsam, denn am kommenden Sonntag findet der umstrittene Marsch des protestantischen Oranier-Ordens in Portadown statt, der alljährlich für Spannungen in Nordirland sorgt.

Dieser Marsch gilt immer mehr als Sammelbecken für die Gegner des Friedensprozesses im protestantischen Lager. Das Entgegenkommen der IRA schwächt die Gegner des Friedensprozesses, denn Chefminister David Trimble kann nun handfeste Erfolge seiner Verhandlungsführung vorweisen.

Die Zunahme der Willkürjustiz durch alle Untergrundverbände und Handgreiflichkeiten im Umfeld der protestantischen Paraden hat die Beziehungen zwischen Katholiken und Protestanten in den letzten Wochen arg strapaziert. Bezeichnenderweise hat sich noch keiner dieser Verbände bereit erklärt, dem Beispiel der IRA zu folgen und ihre Arsenale für unabhängige Inspekteure zu öffnen.

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