Politik : IRA: Waffen für Splittergruppen in Kroatien entdeckt

Martin Alioth

Eine umfangreiche Waffenlieferung für Splittergruppen der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) ist im kroatischen Hafen Split abgefangen worden. Die irische Tageszeitung "Irish Times" meldete am Freitag, irische Polizeibeamte seien nach Split geflogen und hätten dort festgestellt, dass es sich um die Waffentypen handelt, die in den letzten zwölf Monaten von der so genannten "Real IRA" in Nordirland und London bei Anschlägen verwendet wurden. Ein ähnliches Waffenlager mit Panzerfäusten, Sprengstoff und automatischen Schusswaffen kroatischer Herkunft war letztes Jahr in der Republik Irland ausgehoben worden.

Die "Irish Times" bestätigte auch Vermutungen, wonach die "Real IRA", die den Bombenanschlag in Omagh im August 1998 zu verantworten hat, inzwischen gemeinsame Sache mit der "Continuity IRA" macht, einer etwas älteren IRA-Splittergruppe. Gerade bei der Waffenbeschaffung im Balkan sei ein hochrangiges Mitglied der letzteren Gruppe federführend gewesen.

Am Freitag wurde in Nordirland zugleich mit der Entlassung der letzten protestantischen und katholischen Untergrundkämpfer begonnen, die von einer Amnestie im Rahmen des Friedensabkommens profitieren. 86 Häftlinge kamen am Vormittag frei. Sie gehören verschiedenen radikalen Gruppen an, so der IRA, der "Ulster Defence Association", der "Ulster Volunteer Force", der "Loyalist Volunteer Force" und schließlich der "Irish National Liberation Army". Der britische Nordirlandminister Peter Mandelson erklärte im Radiosender BBC ein, die Freilassungen seien "für viele Leute eine bittere Pille". Sie seien aber gerechtfertigt, wenn der Friedensprozess dadurch vorangebracht werde. Er halte es für richtig, die Paramilitärs aus den Gefängnissen zu holen und in die Politik zu integrieren. Vor dem Hochsicherheitsgefängnis in Maze hatten Angehörige von Opfern gegen die Freilassung protestiert.

Seit dem Abkommen von 1998 sind mehrere hundert Untergrundkämpfer beider Seiten freigekommen. Am Montag hatte mit Michael Stone einer der prominentesten protestantischen Häftlinge das Gefängnis bei Belfast verlassen. Stone war wegen der Ermordung von sechs Menschen verurteilt worden.

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