Irak : Al Qaida will ABC-Waffen gegen US-Soldaten einsetzen

Der Chef des irakischen Ablegers der Terrororganisation Al Qaida, Abu Hamsa al Muhadscher, hat seine Anhänger aufgerufen, im Krieg gegen die US-Truppen im Irak Massenvernichtungswaffen einzusetzen.

Bagdad - "Wir brauchen dringend eure Dienste, denn die amerikanischen Stützpunkte (im Irak) sind der ideale Ort, um sie den nicht-konventionellen Erfahrungen des schmutzigen und biologischen Krieges auszusetzen", sagte er in einer in der Nacht zu Freitag im Internet veröffentlichten Tonbandaufnahme. Er wandte sich insbesondere an "Sprengstoff- und Atomexperten" unter den Extremisten.

Muhadscher ist der Nachfolger des berüchtigten Al-Qaida-Führers Abu Mussab al Sarkawi, der im Juni bei einem US-Luftangriff im Norden Bagdads getötet wurde. In dem Tonband, dessen Echtheit zunächst nicht bestätigt werden konnte, kündigte Muhadscher eine groß angelegte Offensive gegen die US-geführte Streitmacht im Irak und ihre irakischen Unterstützer an. Er machte erstmals Angaben zu den im Irak getöteten Kämpfern der Terrorgruppe. "Wir haben enorm viel Blut im Irak verloren. Mehr als 4.000 Einwanderer", sagte er.

Der Al-Qaida-Chef rief seine Anhänger in seiner jüngsten Botschaft auch zur Entführung westlicher Ausländer auf. Diese sollten gegen einen in den USA gefangen gehaltenen ägyptischen Geistlichen ausgetauscht werden, sagte Muhadscher. "Möge uns Allah erlauben, einige dieser christlichen Hunde zu fangen, damit unser Scheich befreit wird". Damit meinte er Omar Abdel-Rahman, der in den USA wegen des versuchten Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Der Aufruf des Al-Qaida-Chef fällt in die erste Woche des Ramadan. Verschiedene Extremistengruppen hatten eine Offensive während des moslemischen Fastenmonats angekündigt. Tag für Tag sterben Dutzende Menschen bei Anschlägen.

Angehörige des Saddam-Richters ermordet

Im Nordwesten der irakischen Hauptstadt Bagdad ermordeten Unbekannnte den Schwager und den Neffen von Mohammed al Oreibi al Chalifa, wie ein Regierungssprecher mitteilte. Chalifa ist seit wenigen Tagen Vorsitzender Richter im Verfahren gegen Saddam Hussein wegen mutmaßlichen Völkermordes an Kurden im Nordirak. Irakische Verantwortlichen wollten keinen Zusammenhang zwischen dem Prozess und dem Anschlag herstellen. Allerdings sind bereits mehrere Anwälte von Anklage wie Verteidigung eingeschüchtert und ermordet worden.

Unterstützung erhielten die US- und irakischen Truppen im Kampf gegen Al Qaida von unerwarteter Seite: Einflussreiche sunnitische Scheichs in der westlich gelegenen Unruheprovinz Al Anbar starteten eine Offensive gegen aus- und inländische Unterstützer des Terrornetzwerks. "Die Operation hat begonnen", sagte der Chef des Abu-Rischa-Clans und Vorsitzende des Provinzstammesgerichtes von Anbar, Scheich Abdel Sattar Basija. Allein am Freitag seien drei Saudiaraber, zwei Syrer und drei irakische Jugendliche der Polizei übergeben worden. Die in Al Anbar gelegenen Städte Ramadi, Falludscha und Haditha sind Zentren des bewaffneten Widerstandes gegen die US-Truppen im Irak. Sunnitische Stämme hatten bereits im Dezember versprochen, gegen Al-Qaida-Anhänger vorzugehen und eigene Anhänger als Rekruten zur Polizei zu schicken. Al Qaida verübte dann jedoch einen schweren Anschlag in Ramadi im Januar, bei dem mehr als 70 Rekruten starben. Zudem wurden etliche Stammesführer getötet, worauf deren Anhänger sich wieder zurückzogen. (tso/AFP)

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