Irak : Baker-Kommission schlägt schrittweisen Abzug vor

Die Baker-Kommission will einen möglichst raschen, schrittweisen Abzug von bis zu 75.000 US-Soldaten aus dem Irak vorschlagen. Unterdessen hat Südkorea angekündigt, 2007 alle Soldaten aus dem Land abziehen zu wollen. Südkorea ist derzeit der drittgrößte Truppensteller.

New York/Amman - Die zehn Mitglieder des vom früheren US-Außenminister James Baker geleiteten Gremiums hätten ihren Schlussbericht einstimmig abgesegnet, ohne darin jedoch einen konkreten Zeitplan zu benennen, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf gut informierte Kreise. US-Präsident George W. Bush traf unterdessen am Morgen in Amman mit dem irakischen Regierungschef Nuri el Maliki zusammen, um Auswege aus der Krise im Irak zu suchen. Einen Dialog mit Syrien hatte Bush zuvor abgelehnt.

Die von Baker und einem früheren Abgeordneten der Demokratischen Partei, Lee Hamilton, geführte Kommission will in ihrem Abschlussbericht laut der "NYT" für einen Abzug von 15 Kampfbrigaden aus dem Irak plädieren. Eine Brigade umfasst 3000 bis 5000 Mann. Derzeit sind insgesamt 144.000 US-Soldaten im Irak stationiert. Wie aus Washington verlautete, will die Baker-Kommission ihren Bericht am kommenden Mittwoch US-Präsident George W. Bush übergeben.

Kommission schlägt keinen festen Zeitplan vor

Das Gremium will laut "NYT" keinen festen Zeitplan für den Abzug nennen, allerdings werde indirekt das nächste Jahr als Starttermin empfohlen. In ihrem Bericht lassen die Experten voraussichtlich offen, wo die abziehenden US-Soldaten stationiert werden sollen - ob in Stützpunkten in Nachbarländern des Irak oder in ihrer Heimat USA.

Die Irak Study Group hatte seit März Empfehlungen für einen Strategiewechsel erarbeitet, mit denen die sich verschlechternde Sicherheitslage im Irak unter Kontrolle gebracht werden sollen. Die Empfehlungen des Gremiums sind für die US-Regierung nicht bindend. Laut früheren Presseberichten will die Baker-Komission der US-Regierung auch raten, die ungeliebten Regierungen Syriens und Irans mittels Gesprächen in die Stabilisierung des Iraks einzubinden.

Bush will nicht mit Syrien reden

Einen Dialog mit Syrien schloss US-Präsident Bush bei einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. in Amman aus. Aus Sicht des US-Präsidenten könnte die Regierung in Damaskus demnach ein Angebot Washingtons für einen Dialog als Geste der Zustimmung zu seiner Politik im Libanon missbrauchen, sagte ein US-Regierungsmitarbeiter. Bush sei über den Einfluss Syriens im Libanon besorgt.

Abdullah II. forderte den US-Präsidenten auf, Israel und den Palästinensern dabei zu helfen, die Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen. Ein Ende des Nahost-Konfliktes werde auch zur Lösung der "der anderen Probleme in der Region" beitragen.

Südkorea will Truppen 2007 abziehen

Am Donnerstagmorgen traf Bush mit dem irakischen Regierungschef Maliki in der jordanischen Hauptstadt zu einem Arbeitsfrühstück zusammen. Anschließend wollten sie vor die Presse treten. Ursprünglich hatte Maliki bereits am Vorabend zu dem Gespräch von Bush mit Abdullah II. hinzustoßen wollen, seine Teilnahme wurde jedoch kurzfristig abgesagt.

Der bislang drittgrößte Truppensteller im Irak nach den USA und Großbritannien, Südkorea, will seine Soldaten bis Ende nächsten Jahres vollständig aus dem Zweistromland abziehen. Die Regierung werde bis Juni 2007 einen Rückzugsplan ausarbeiten, damit die Mission bis zum Jahresende abgeschlossen werden könne, sagte ein Sprecher der Regierungspartei Uri in Seoul. Südkorea hatte 2003 auf Bitten Washingtons anfänglich 3600 Soldaten in den Irak entsandt. Nach einem ersten Teilrückzug sind es noch 2300 Mann. Sie sind in der relativ ruhigen nordirakischen Stadt Erbil stationiert. Ihr Einsatz beschränkt sich auf Hilfe beim Wiederaufbau des Landes. (tso/AFP)

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