Irak : Berlin unterstützt keine Osthoff-Projekte mehr

Die Bundesregierung will die deutsche Archäologin Susanne Osthoff von einer Rückkehr in den Irak abhalten. Deshalb sollen dort keine Projekte mehr unterstützt werden, die mit einem Aufenthalt Osthoffs im Irak verbunden sind.

Bagdad/Berlin - Dies sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Samstag. Er bestätigte damit einen Bericht der «Neuen Osnabrücker Zeitung», wonach Osthoff unmissverständlich aufgefordert worden sei, nicht in den Irak zurückzukehren. Allerdings sei Osthoff eine freie Person.

Osthoff war Ende November im Irak entführt worden und am vergangenen Sonntag freigekommen. Nach Zeitungsberichten verdichten sich die Hinweise, dass sie allen Warnungen zum Trotz später wieder im Irak leben will. Osthoffs Projekt, in der nordirakischen Stadt Arbil ein deutsches Kulturzentrum aufzubauen, sei jetzt offensichtlich vom Tisch. Auch die vom Auswärtigen Amt mit 40 000 Euro geförderte Sanierung einer Karawanserei in Mossul solle nicht mehr fortgeführt werden. Osthoff hatte einige Tage nach ihrer Freilassung den Irak verlassen und hält sich derzeit nach unbestätigten Berichten in Jordanien auf.

In Bagdad wies die von den religiösen Schiiten dominierte Vereinigte Irakische Allianz (UIA) derweil Forderungen nach einer Wiederholung der Parlamentswahl zurück. Es gebe keinen Grund dafür, die Wahl zu wiederholen, da sie «integer und transparent» abgelaufen sei, sagte Salam al-Maliki von der UIA. Gleichzeitig unterstrich er den Machtanspruch seiner Partei als stärkste Kraft im Parlament.

Die beiden Wahlallianzen der arabischen Sunniten und der säkularen Schiiten um den früheren Ministerpräsidenten Ijad Allawi haben mit einem Boykott des neuen Parlaments gedroht und eine internationale Untersuchung der Wahlbetrugsvorwürfe verlangt. Am Freitag hatten tausende Iraker in Bagdad und anderen Städten für eine Wahlwiederholung demonstriert.

Nach vorläufigen Ergebnissen stellt die UIA auch im neuen Parlament die meisten Abgeordneten. Sunnitische Araber und die Allawi-Partei zweifeln den Wahlsieg der religiösen Schiiten vor allem in Bagdad an. Beobachter befürchten, dass im Falle eines Boykotts des Parlaments insbesondere durch die Sunniten-Parteien die Gewalt im Irak eskalieren würde.

Derweil starben in Jusufija, 30 Kilometer südlich von Bagdad, drei irakische Zivilisten, als Mösergranaten ihr Haus in der Nähe eines Stützpunkts des US-Militärs trafen. Zwei weitere Bewohner wurden nach Polizeiangaben verletzt. (tso/dpa)

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