Irak : Blutiger Tag

Bei einem Doppelanschlag in Bagdad sind mindestens zwanzig Menschen getötet worden. Landesweit starben etwa 30 weitere Menschen. US-Präsident Bush sicherte dem irakischen Regierungschef Nuri al Maliki die volle Unterstützung zu.

Bagdad/Kut - Mindestens siebzehn Menschen wurden verletzt, als in dem überwiegend schiitischen Stadtteil Ur im Nordosten der irakischen Hauptstadt fast zeitgleich zwei Autobomben explodierten, wie aus Polizeikreisen verlautete. Die erste Autobombe sei vor einem Haus hochgegangen, in dem sich eine Trauergemeinde versammelt habe. Der zweite Sprengsatz sei auf einem belebten Markt explodiert.

Durch eine weitere Autobombe in der Stadt Sauira wurden 15 Menschen getötet und weitere 35 verletzt, wie Polizei und Rettungskräfte aus der etwa 60 Kilometer südöstlich von Bagdad liegenden Stadt berichteten. In der ländlichen Region gibt es regelmäßig gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten. Im Gebiet von Baakuba, rund sechzig Kilometer nördlich von Bagdad, starben neun weitere Menschen bei Angriffen, unter ihnen ein Polizist. Auch in Bagdad starben ein Polizist und drei Zivilisten, als in der Innenstadt eine Bombe explodierte.

Der irakische Generalstaatsanwalt aus dem Völkermordsprozess gegen den früheren Staatschef Saddam Hussein verlor seinen Bruder bei einem Gewaltverbrechen: Unbekannte ermordeten den Rechtsanwalt Imad al Farun im Westen von Bagdad, wie einer seiner Freunde mitteilte, der Regierungsmitarbeiter Ali al Lami. In dem besagten Prozess muss sich Saddam Hussein zusammen mit sechs Gefolgsleuten wegen Völkermords an nordirakischen Kurden in den Jahren 1987 und 1988 verantworten. Bei der "Operation Anfal" wurden mehr als 180.000 Kurden getötet.

Maliki: Milizen sollen erst später entwaffnet werden

George W. Bush habe dem irakischen Regierungschef Maliki am Telefon seine volle Unterstützung zugesichert, sagte Bushs Sprecher Tony Snow. Der Präsident habe betont, dass er sich der demokratisch gewählten Regierung im Irak verpflichtet fühle und habe Maliki gesagt, er solle sich nicht von anderslautenden Gerüchten beirren lassen. Snow bezog sich damit auf Gerüchte, wonach die USA der Regierung von Maliki einen Zeitplan auferlegen wollen.

Maliki sagte der Zeitung "USA Today", er wolle die Freischärler im Irak ab "Ende des Jahres oder Anfang kommenden Jahres" entwaffnen. "Das braucht seine Zeit", sagte er. Der Regierungschef sprach sich zugleich gegen einen großen Einsatz in der schiitischen Stadt Sadr City östlich von Bagdad aus, wo die Miliz der Mahdi-Armee stark vertreten ist. (tso/AFP)

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