Irak : Brown: Rückzug ist keine Niederlage

Die britischen Truppen haben ihr Hauptquartier in Basra geräumt. Dies sei kein Zeichen einer Niederlage, sagte Premier Gordon Brown. Die britische Presse sieht das allerdings ganz anders.

LondonDie britischen Truppen haben heute Morgen ihren Abzug aus der südirakischen Hafenstadt Basra abgeschlossen. Premier Brown bezeichnete den Rückzug der letzten rund 500 Soldaten seines Landes aus Basra als "vorausgeplante und organisierte" Truppenverlegung. In einem BBC-Interview widersprach er der Einschätzung, dass der Abzug aus der zweitwichtigsten Stadt des Irak eine "Niederlage" sei.

Die nun auf der letzten verbliebenen britischen Truppenbasis am Airport außerhalb von Basra stationierten 5500 Soldaten hätten immer noch die Fähigkeit, in der Stadt einzugreifen, erklärte Brown. Zuvor war laut BBC in US-Militärkreisen die Einschätzung geäußert worden, die Briten hätten sich im Irak "geschlagen gegeben". Brown betonte, dass Großbritannien weiterhin seine "Verpflichtungen gegenüber dem irakischen Volk und der internationalen Gemeinschaft" erfüllen werde.

Der Oberkammondierende der irakischen Truppen in Basra, Generalleutnant Mohan al-Firedschi, bestätigte nach Angaben der britischen Agentur PA, dass nun irakische Truppen die Kontrolle über die Militärbasis im Palast von Basra übernommen haben. "Wir haben jenen (Milizen), die gegen die britischen Soldaten kämpfen, gesagt, dass nun irakische Kräfte in dem Palast sind."

Keine Plünderungen

Über Plünderungen und Ausschreitungen wurde diesmal nichts berichtet. Nachdem die britischen Truppen in der vergangenen Woche ein britisch-irakisches Kommandozentrum in Basra geräumt hatten, waren Angehörige der Schiiten-Miliz Mahdi-Armee in die Räumlichkeiten eingedrungen, um zu plündern.

Die Briten waren in den vergangenen Monaten in Basra verstärkt mit Straßenbomben und Raketen angegriffen worden. Allein seit Mai wurden dort 22 britische Soldaten von Aufständischen getötet. Mit der Aufgabe des Basra-Palastes sei die rund vierjährige Präsenz britischer Soldaten in irakischen Stadtgebieten vollständig beendet worden, hieß es bei der BBC. Alle anderen Stützpunkte in Basra und anderen Orten hatten sie bereits geräumt und an irakische Kräfte übergeben.

Kurz vor dem Bekanntwerden des Abzugs aus dem Hauptquartier hatten hochrangige britische Offiziere die Irak-Politik der USA in ungewohnter Schärfe kritisiert. Der frühere britische Generalstabschef Mike Jackson bezeichnete die Irak-Politik Washingtons als "intellektuell bankrott", wie die Zeitung "The Daily Telegraph" in ihrer Samstagsausgabe berichtete. Generalmajor a.D. Tim Cross sagte dem "Sunday Mirror", bereits bei der Vorbereitung der Invasion hätten viele das Gefühl gehabt, dass die Pläne der Vereinigten Staaten für die Nachkriegszeit "fatale Schwächen" aufgewiesen hätten.

Presse: Rückzug hoch symbolisch

Die Zeitung "The Times" wertete den Rückzug aus Basra als "höchst symbolisch". Jetzt sei mit dem Beginn des kompletten Abzugs britischer Soldaten aus dem Irak zu rechnen. Es werde erwartet, dass die britische Regierung zunächst eine Reduzierung der Truppenstärke im Irak um 500 Mann bekanntgibt. (mit dpa, AFP)

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