Irak : Bush berät mit US-Generälen über Strategie

Begleitet von neuer Gewalt im Irak suchen die USA und Großbritannien nach Auswegen aus der sich zuspitzenden Lage. US-Präsident George W. Bush erörterte mit Generälen die Strategie für den Irak.

London/Washington - Einen vorzeitigen Abzug der US-Truppen schloss er erneut aus. Wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtete, sprechen die USA und Großbritannien über acht Möglichkeiten für einen Ausweg: Am wahrscheinlichsten sei ein stufenweiser Truppenabzug.

Nach Angaben des Weißen Hauses war das Treffen Bushs mit den Militärs seit Wochen geplant und geht nicht auf die zuletzt ausufernde Gewalt im Irak zurück. Eine Sprecherin des Weißen Hauses sagte, während der 90-minütigen Beratung sei es unter anderem "um die Natur des Feindes" gegangen und darum, "wie unsere Strategie besser verfolgt" werden könne. An dem Treffen nahmen Berater Bushs, sein Vize Dick Cheney, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sowie Generalstabschef Peter Pace und der US-Oberkommandierende für Nahost, General John Abizaid, teil. Per Videokonferenz wurden der US-Oberbefehlshaber im Irak, George Casey, und der US-Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalilzad, zugeschaltet.

Die vergangenen Wochen seien für die US-Truppe im Irak und für die Iraker selbst "hart" gewesen, sagte Bush in seiner wöchentlichen Radioansprache. Die Gewalt habe so zugenommen, weil die US-Armee ihre Einsätze verstärkt habe und weil die Aufständischen "eine kluge Propaganda-Strategie" hätten. Allerdings versicherte Bush, "wir werden unsere Soldaten nicht vom Schlachtfeld abziehen, ehe der Einsatz vollendet ist." Das Ziel sei unverändert "der Sieg". Was sich ändere, sei die Taktik, um diesen zu erlangen.

Sofortiger Truppenabzug "unwahrscheinlich"

Wie der "Guardian" berichtete, könnte der Irak den Plänen zufolge in Bundesstaaten aufgeteilt werden. Ein anderer Vorschlag sehe vor, kurzzeitig weitere Truppen im Zweistromland zu stationieren, um die Gewalt einzudämmen. Unwahrscheinlich sei das ebenfalls diskutierte Szenario, die ausländischen Soldaten sofort aus dem Irak abzuziehen. "Wir könnten uns jetzt zurückziehen und sie (die Iraker) ihrem Schicksal überlassen, aber dann würde das Land implodieren", sagte ein britischer Diplomat dem Blatt.

"Immer noch die wahrscheinlichste Möglichkeit" sei der stufenweise Abzug, berichtete der "Guardian". Dafür müssten aber zunächst die irakischen Sicherheitskräfte ordentlich ausgebildet sein. Erörtert werde auch, die Nachbarländer Iran und Syrien einzubeziehen, um zu einer Lösung zu gelangen.

20 Tote bei Anschlag auf Marktplatz

Bei dem Anschlag auf einen belebten Marktplatz in Mahmudijah wurden am Samstagabend mindestens zwanzig Zivilisten getötet und rund dreißig weitere verletzt. Die Sprengsätze seien an Fahrrädern befestigt gewesen, sagte ein Sprecher der Verteidigungsministeriums in Bagdad. Laut Innenministerium nutzten die zunächst unbekannten Attentäter insgesamt fünf Fahrrädern. Zunächst war von einem Angriff mit Mörsergranaten die Rede gewesen. In der westlichen Provinz El Anbar wurden drei US-Soldaten bei einem Kampfeinsatz getötet. Allein im Oktober kamen im Irak bislang mehr als siebzig US-Soldaten ums Leben. In Bagdad wurden sieben Menschen bei zwei Selbstmordanschlägen getötet.

In dem Friedensappel der irakischen Geistlichen heißt es, das "Vergießen muslimischen Blutes" sei verboten, wie der TV-Sender El Arabija berichtete. "Mit Blick auf die Unabhängigkeit des Iraks und seine territoriale Integrität" müssten Sunniten und Schiiten zusammenarbeiten. In dem zehn Punkte umfassenden "Dokument von Mekka" wird auch die Freilassung aller "unschuldig Festgehaltenen" und der Respekt vor den jeweiligen Heiligtümern gefordert. (tso/AFP)

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