Irak : "Chemie-Ali" wegen Schiitenmassakers vor Gericht

In Bagdad hat der Prozess um die blutige Niederschlagung des Schiiten-Aufstands von 1991 begonnen. Angeklagt sind der als "Chemie-Ali" bekannte Cousin von Ex-Präsident Hussein und 14 weitere Helfer.

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Ali Hassan al-Majid. Zum Tode verurteilter Cousin von Ex-Machthaber Saddam Hussein. -Foto: AFP

BagdadNeben dem früheren Verteidigungsminister Ali Hassan al Madschid (alias "Chemie-Ali") sollen sich unter anderen Sultan Haschim el Tai, ebenfalls unter dem früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein Verteidigungsminister, sowie der frühere Vizechef der Streitkräfte-Einsätze, Hussein Raschid el Tikriti, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten.

Alle drei wurden bereits am 24. Juni wegen Völkermordes an zehntausenden Kurden zum Tode verurteilt. Sie hatten gegen ihr Todesurteil Berufung eingelegt, über die demnächst entschieden werden soll. Sollten die Todesurteile bestätigt werden, würde die neue Anklage gegen sie fallen gelassen und die Strafe innerhalb von 30 Tagen vollstreckt.

USA ermunterten Schiiten zum Meutern

Bei dem neuen Prozess geht es um das brutale Vorgehen der irakischen Armee gegen den schiitischen Aufstand 1991 im Süden des Landes. Die Erhebung gegen die sunnitische Regierung Saddam Husseins war von den US-geführten Koalitionstruppen ermutigt worden, die zuvor im Golf-Krieg die irakische Armee zum Abzug aus Kuwait gezwungen hatten.

Bei der Niederschlagung wurden in der Gegend der Städte Nadschaf, Kerbala und Basra sowie in Hilla zwischen 60.000 und 100.000 Schiiten getötet. Seit Saddam Husseins Sturz wurden Dutzende Massengräber entdeckt, in denen die Opfer verscharrt worden waren. In dem Prozess sollen fast 90 Überlebende des blutigen Militäreinsatzes und andere Zeugen zu Wort kommen. (mit dpa/AFP)

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