Politik : Irak: Den Diktator "noch resoluter" bekämpfen?

Malte Lehming

Unklar war nur der Zeitpunkt. Dass die Briten und Amerikaner demnächst einen massiven Angriff gegen Stellungen im Irak fliegen würden, hatte sich seit zweieinhalb Wochen abgezeichnet. An jenem Dienstag, dem 24. Juli, wäre über der südlichen Flugverbotszone fast ein unbewaffnetes amerikanisches Aufklärungsflugzeug abgeschossen worde. Der Pilot habe die Detonation der irakischen Abwehrraketen deutlich spüren können, hieß es anschließend im Pentagon. Zwei Tage später äußerte sich der US-Präsident. Saddam Hussein sei weiterhin "eine Gefahr und ein Problem", sagte George W. Bush. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wiederum warnte eindringlich vor der ständig modernisierten Luftabwehr des Irak, insbesondere durch Raketen aus Russland.

Die erste direkte Drohung wurde dann am 29. Juli von Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice ausgesprochen. Saddam Hussein sei "auf dem Radarschirm" der USA, die Bush-Regierung werde den Diktator demnächst "noch resoluter" bekämpfen als in der Vergangenheit. Dessen Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. "Der irakische Widerstand gegen die amerikanische und britische Aggression wächst von Tag zu Tag. Am Ende werden wir die Aggressoren vernichtet haben und sie zwingen, unseren nationalen Luftraum zu verlassen", schrieb die Zeitung der regierenden Baath-Partei. Rice wurde als "verrückte Frau aus dem Weißen Haus" bezeichnet. Weiter hieß es, Washington bereite eine Militäraggression gegen den Irak vor, weil dieser seine Luftabwehr verbessert habe.

Das bestätigte Rumsfeld vor einer Woche. Quantitativ und qualitativ habe der Irak das Potenzial seiner Luftabwehr erheblich gesteigert, sagte er. In diesem Jahr habe es bereits 370 irakische "Provokationen" innerhalb der südlichen Flugverbotszone gegeben, während es nur 221 im ganzen letzten Jahr waren. Die Flugverbotszonen waren 1991 nach dem Golfkrieg zum Schutz der Kurden im Norden und der Schiiten im Süden des Irak eingerichtet worden.

Innerhalb der US-Administration waren die Meinungen über den Nutzen eines Militärschlags geteilt. Insbesondere das Außenministerium zeigte sich besorgt. Ein Angriff auf den Irak werde das amerikanische Verhältnis zu vielen arabischen Ländern weiter verschlechtern. Insgeheim warte Saddam Hussein nur auf einen solchen Angriff, um seine Position innerhalb der arabischen Welt zu verbessern. Dieser Argumentation schlossen sich Bush und Rumsfeld nicht an. Der Präsident sei fest entschlossen, die amerikanische Irak-Politik nicht abhängig zu machen vom Nahost-Konflikt, hieß es.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben