Irak : Der privatisierte Krieg in der Kritik

Nachdem sich Angestellte einer privaten Sicherheitsfirma und mutmaßliche Aufständische in Bagdad eine Schießerei auf offener Straße lieferten stehen die so genannten "Contractors" in der Kritik. Die Regierung will nach dem Tod von elf Menschen alle ausländischen Firmen auf den "Prüfstand stellen".

Contractors
Angestellte einer privaten Sicherheitsfirma, so genannte "Contractors", bei einer Übung nahe Bagdad. -Foto: AFP

Bagdad/WashingtonNach einer Schießerei zwischen mutmaßlichen Aufständischen und Leibwächtern der US-Firma Blackwater in Bagdad ist eine heftige Diskussion um die Rolle ausländischer Leibwächter im Irak entbrannt. Die Bewegung des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr forderte, allen ausländischen Sicherheitsfirmen die Lizenz zu entziehen. Regierungskritische Sunniten beklagten fehlende staatliche Kontrolle der "Söldner". Die irakische Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki kündigte eine Überprüfung aller privaten Sicherheitsfirmen an. Sowohl inländische als auch ausländische Firmen seien auf dem Prüfstand, gab die Regierung in einer Erklärung bekannt.

Bei dem Feuergefecht waren am Sonntag in einem Vorort Bagdads nach irakischen Augenzeugenberichten elf Zivilisten getötet worden. Al-Maliki entzog der US-Firma danach die Lizenz. US-Außenministerin Condoleeza Rice telefonierte am Montag mit ihm und äußerte ihr Bedauern über den Tod unschuldiger Bürger. Irakische Medien interpretierten dies als Entschuldigung.

26 Tote bei verschiedenen Attentaten

Bei mehreren Attentaten kamen mindestens 26 Menschen ums Leben. Bei dem folgenschwersten Anschlag starben laut Polizei elf Menschen, als in der Nähe eines Gebäudes des Gesundheitsministeriums im Zentrum Bagdads eine Autobombe explodierte.

Im Nordirak brachten Saboteure eine Ölpipeline zur Explosion, die von der Stadt Baidschi zur türkischen Grenze führt. Nach Angaben des Zivilschutzes floss daraufhin eine große Menge Öl in den Tigris. Bauern, die das Flusswasser zur Bewässerung ihrer Felder benutzen, entfachten Feuer, um das Öl zu verbrennen.

Gezielte Anschläge auf Ölindustrie

Militante setzten unterdessen südlich von Bagdad an der Straße zwischen Falludscha und Samarra 20 Öltanklastwagen in Brand, wie die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak unter Berufung auf die Polizei berichtete. Einige Fahrer der Lastwagen wurden verschleppt, während andere flüchten konnten.

Die US-Armee berichtete, amerikanische Soldaten hätten bei einer Razzia gegen mutmaßliche sunnitische Extremisten in Arab Dschabur bei Bagdad drei "Terroristen" getötet. In Bagdad sei ein Anführer einer schiitischen Extremistengruppe gefangengenommen worden, der mit iranischen Revolutionsgarden zusammengearbeitet habe. (mit dpa)

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