Irak-Geiseln : Experten rätseln um Motiv der Entführer

Das BKA geht davon aus, dass das zweite Video über die deutschen Irak-Geiseln älteren Datums ist. Der Terrorismus-Experte Steinberg wertet dies als gutes Zeichen: Die Entführer könnten nicht alles so ernst meinen, wie sie sagen.

Berlin - Experten des Bundeskriminalamts (BKA) gehen nach Informationen der "Bild"-Zeitung von einem politischen Hintergrund aus. Der Terrorismus-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, ist dagegen überzeugt, dass es den Geiselnehmern um Geld geht. Die Bundesregierung gibt indes die Hoffnung nicht auf, dass die Arbeit des Krisenstabes zu einer Freilassung der Geiseln führen wird.

Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe die "unermüdliche Arbeit" des Krisenstabes im Kabinett ausdrücklich gelobt. Im Auswärtigen Amt werde "Beispielhaftes" geleistet und alles getan, "was nur möglich ist", um die Entführten in Sicherheit zu bringen.

"Der Staat kann nicht erpressbar sein"

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe zudem im Kabinett deutlich gemacht, dass das jüngste, "menschenverachtende und schockierende" Video der Geiselnehmer noch ausgewertet werde. Daher seien "abschließende Bewertungen" noch nicht möglich, betonte Steg.

Der frühere Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, sagte, die Absichten der Entführer seien schwer zu beurteilen. Mit Blick auf die Forderung der Entführer, die deutschen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, fügte er jedoch hinzu: "Der Staat kann nicht erpressbar sein, vor allem kann er nicht Dinge tun von dieser Größenordnung, die gar nicht erfüllbar sind."

"Eigentlich ist es ein gutes Zeichen"

Terrorismus-Experte Steinberg sieht die zweite Botschaft derweil als hoffnungsvolles Signal. "Eigentlich ist es ein gutes Zeichen, weil es nach Ablauf des ersten Ultimatums zeigt, dass die Entführer vielleicht nicht alles so ernst meinen, was sie sagen", sagte er. "Ich bin überzeugt, dass dies eine kriminell motivierte Entführung ist."

Nach einem "Bild"-Zeitungsbericht wurde das zweite Video sehr wahrscheinlich in der Woche vom 20. bis 25. März aufgezeichnet. Das habe eine Analyse der Aufnahmen durch das BKA. Demnach glauben die Experten aufgrund bestimmter Erkennungsmerkmale, die Aufzeichnung sogar auf den 24. oder 25. März eingrenzen zu können. Vor diesem Hintergrund könne von einem aktuellen Lebenszeichen nicht die Rede sein.

Die 61-jährige Frau und ihr 20-jähriger Sohn waren Anfang Februar in Bagdad verschleppt worden. Die Geiselnehmer drohen damit, die beiden umzubringen, falls Deutschland seine Truppen nicht aus Afghanistan abzieht. Die Bundesregierung lehnt die Forderung ab. (Von Mey Dudin, ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben