Irak : Gewalteskalation in Basra

In der von britischen Truppen kontrollierten südirakischen Stadt Basra gerät die Sicherheitslage zunehmend außer Kontrolle. Die Polizei fand die Leichen von zehn Zivilisten.

Bagdad/Basra - Die zehn Zivilisten wurden gefoltert und mit Schüssen in den Kopf getötet. Unbekannte erschossen auf offener Straße Scheich Muwaffak al-Hamdani, den Imam einer sunnitischen Moschee in der von schiitischen Parteien dominierten Stadt.

Die iranische Führung hat unterdessen den geplanten Dialog mit den USA zum Thema Irak offiziell auf Eis gelegt. In offensichtlicher Anspielung auf das Atomprogramm seines Landes sagte Irans Außenminister Manuchehr Mottaki am Freitag in Bagdad, es werde vorerst keine direkten Gespräche geben, weil Washington versucht habe, die Frage der Sicherheit im Irak mit anderen Themen zu verknüpfen. Mottaki traf in Bagdad seinen irakischen Amtskollegen, den Kurden Hoschiar Sibari, dessen Partei gegen einen raschen Abzug der US-Truppen ist. Mottaki erklärte, er wünsche sich eine verstärkte regionale Zusammenarbeit mit dem Irak und den im Golfkooperationsrat (GCC) zusammengeschlossenen arabischen Staaten.

In der sunnitischen Enklave Howeidscha bei Kirkuk nahmen irakische und amerikanische Truppen Raed Abdel Hassan gefangen, einen Cousin der Halbbrüder von Ex-Machthaber Saddam Hussein. Abdel Hassan, der erst kürzlich in den Irak zurückgekehrt sei, habe zur Finanzierung des Aufstandes Geld ins Land gebracht sowie Anschläge und Attentate selbst gesteuert, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Vier weitere Mordopfer entdeckte die Polizei am Freitag in Al- Makdadija nordöstlich von Bagdad. Im nahe gelegenen Buhris entführten Kidnapper in Armeeuniformen sechs Mitarbeiter eines regierungsnahen Radiosenders. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen verschleppten die Entführer ihre Opfer in der Nacht zum Freitag aus mehreren Häusern in der Nähe von Radio Dijala. Zwei Polizisten seien bei dem Überfall getötet worden.

In Bagdad detonierten am Freitag drei Autobomben. Nach Angaben von Augenzeugen wurden acht Menschen von einem Sprengsatz getötet, der an einem Busbahnhof in einem Auto versteckt war. 30 Menschen erlitten nach Angaben von Ärzten eines Krankenhauses Verletzungen. Durch die zweite Autobombe, die im Villen-Vorort Mansur detonierte, wurden nach ersten Informationen mehrere Menschen verletzt. Keine Angaben gab es zu möglichen Opfern eines dritten Anschlags in West-Bagdad.

Ein Polizeisprecher in Ramadi erklärte, US-Soldaten hätten nach einem Gefecht mit Aufständischen drei irakische Feuerwehrmänner erschossen, die versucht hätten, einen Brand zu löschen, der mehrere Häuser und Autos erfasst habe. (tso/dpa)

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