Irak : Journalist verliert elf Angehörige bei Bluttat

Seit 20 Jahren wohnt der Iraker Dia Al Kawwas in Deutschland. Als Chefredakteur einer Internetzeitung befasst er sich kritisch mit der Lage in seinem Heimatland. Jetzt sind elf Mitglieder seiner Familie ermordet worden - darunter sieben Kinder.

Bagdad/DubaiVier bewaffnete Männer hätten am Sonntagmorgen das Haus seiner Verwandten in der irakischen Hauptstadt Bagdad gestürmt und alle Anwesenden getötet. Das teilte der Journalist Dia Al Kawwas heute selbst in einem Telefonat aus dem jordanischen Amman mit.  "Alle im Haus wurden getötet: zwei meiner Schwestern, ihre Ehemänner und ihre sieben Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren", berichtete Kawwas unter Tränen. Die Website seiner arabischsprachigen Internetzeitung Schabekat Achbar Al Irak (Irak-Informationsnetz) zeigte ein Foto der vier erwachsenen Opfer in Decken eingewickelt im Treppenaufgang des Hauses.

Die unbekannten bewaffneten Täter kamen nach Angaben von Augenzeugen in mehreren Geländewagen in das nordöstliche Bagdader Viertel al Sahhab, stürmten das Haus von Kawwas Verwandten und töteten alle Anwesenden, berichtete die Zeitung weiter. Danach flohen die Täter. "Die Polizisten an einer Straßensperre in der Nähe haben nicht reagiert", hieß es in dem Bericht. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben gab es zunächst nicht.

"Offiziere, Doktoren und jetzt Journalisten"

Kawwas gab an, er sei vor einem Monat von der schiitischen Badr-Miliz, dem bewaffneten Arm des Obersten Islamischen Rates im Irak, bedroht worden. Seit Beginn des US-Einmarschs im März 2003 gebe es Gruppen, die "Offiziere, Doktoren und jetzt Journalisten" umbrächten. "Wenn Sie als Journalist im Irak arbeiten und nicht den Anordnungen der Besatzer oder seiner Helfer folgen, erleiden Sie dieses Schicksal und werden getötet", sagte Kawwas. Er selbst sei aus seiner Heimat nach Deutschland geflohen, weil er unter dem früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein als USA-Freund eingestuft worden sei. Heute werde ihm vorgeworfen, ein Saddam-Anhänger zu sein.

Kawwas ist Chefredakteur der Internetzeitung Schabekat Achbar Al Irak, die sich kritisch mit der politischen Lage im Irak befasst. Die Internetzeitung berichtet auch äußerst kritisch über die irakische Regierung von Ministerpräsident Nuri Al Maliki und spricht sich gegen die Anwesenheit von US-Truppen in dem Land aus.

Allein 46 tote Medienmitarbeiter in diesem Jahr

Die irakische Vereinigung zur Verteidigung der Rechte von Journalisten verurteilte den Mord an Kawwas' Angehörigen und forderte eine Aufklärung des Verbrechens. "Die Regierung muss ihre Verantwortung übernehmen und die Journalisten schützen, die Hauptzielscheiben von Bewaffneten sind", hieß es in einer Erklärung. Seit dem US-Einmarsch sind nach Angaben von Reporter ohne Grenzen 206 Medienmitarbeiter im Irak ums Leben gekommen, davon allein 46 in diesem Jahr.

Der irakische Arm des Terror-Netzwerks Al Qaida veröffentlichte am Sonntag im Internet ein Video von der Hinrichtung von neun Mitarbeitern des irakischen Innenministeriums. Vermummte Kämpfer erschießen darin die auf dem Boden knienden Ministeriumsmitarbeiter, deren Augen verbunden sind, wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Institut Site mitteilte. Die Opfer wurden den Angaben im Video zufolge während einer US-irakischen Aktion gegen Al-Qaida-Kämpfer gefangengenommen. (mit AFP)

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