Irak : Lebenszeichen der Geiseln

Die Entführer der beiden Deutschen im Irak haben offenbar bereits mehrfach Lebenszeichen der Geiseln übermittelt. Sollten politische Forderungen nicht erfüllt werden, drohe den Geiseln der Tod, hieß es.

Hamburg - In mehreren Telefonaten mit Angehörigen der Familie in Deutschland hätten die Entführer Anfang vergangener Woche politische Forderungen wie einen wirtschaftlichen Boykott des Irak gestellt, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vorab.

Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes gehe inzwischen Hinweisen nach, denen zufolge die Geiselnehmer aus Kreisen der irakischen Widerstandsbewegung stammen könnten. Die Kidnapper hätten erklärt, sie gehörten zu einer Bewegung, die sich "Dschaisch al-Islam" - Islamische Armee - nennt. Die Untergrundgruppe bekennt sich im Internet zu Aktionen gegen US-Soldaten. Weil entsprechende politische Parolen bislang Bestandteil fast jeder Verschleppung waren, hält der Krisenstab allerdings weiterhin auch einen rein kriminellen Hintergrund für möglich.

Frau von Entführern verschleppt

Die im Umland von Berlin geborene Frau, die seit mehr als 20 Jahren im Irak lebt, war den Angaben zufolge am Dienstagmorgen vergangener Woche zwischen 8 Uhr und 9 Uhr aus ihrem Haus in Bagdad verschleppt worden, als sie und ihr Sohn gerade zur Arbeit gehen wollten. Ein halbes Dutzend Männer sei dabei in die Wohnung in einem überwiegend von Sunniten bewohnten Viertel eingedrungen und hatte die Familie in Schach gehalten.

Weil die Bewaffneten sehr ruhig agiert hätten und sich sogar mit Anwohnern unterhielten, gehen Sicherheitsexperten davon aus, dass es sich um eine Gruppe mit guten Beziehungen zu lokalen sunnitischen Milizen handelt. Den Mann der Deutschen, einen irakischen Professor, hätten die Kidnapper zurückgelassen. Der Kontakt zwischen einer Tochter der entführten Deutschen in Berlin und den Entführern laufe seitdem über das Handy eines der Opfer. Die Entführten besitzen die deutsche und die irakische Staatsbürgerschaft. (tso/ddp)

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