Irak : Mehrere Jahre Haft für Schuhwurf auf Bush?

Für hunderte Demonstranten in Bagdad ist ihr "Held, ein Löwe aus dem Zweistromland". Doch dem Journalisten, der US-Präsident Bush mit einem Schuh beworfen hat, drohen mehrere Jahre Haft. Seine Familie befürchtet, dass er in Haft misshandelt wird.

Schuhwerfer
Der Schuhwerfer: Von vielen Irakern als Held gefeiert. -Foto: dpa

Bagdad/IstanbulDer Schuhwerfer von Bagdad ist am Mittwoch erstmals einem Richter vorgeführt worden. Dem irakischen Journalisten, der am vergangenen Sonntag US-Präsident George W. Bush mit seinen Schuhen beworfen hatte, drohen nach Angaben seiner Verteidiger mehrere Jahre Haft. Ein Bruder des Fernsehredakteurs Montasser al-Saidi sagte der irakischen Nachrichtenagentur INA, der Richter habe ihn in der streng abgeriegelten Grünen Zone von Bagdad getroffen. Nach der Befragung habe der Richter nur gesagt, Al-Saidi habe "kooperiert". Über seinen Gesundheitszustand habe er kein Wort verloren. Die Familie befürchtet, dass er in der Haft misshandelt wird. Der Schuhwerfer erhielt indes weitere Unterstützung aus dem In- und Ausland.

Unterdessen wurde dem Schuhwerfer weitere Unterstützung zuteil. Der syrische Kulturminister Riad Naasan Agha sagte am Mittwoch am Rande einer Filmkonferenz in Kairo: "Als arabischer Intellektueller bin ich zufrieden mit der Art und Weise wie Al-Saidi seine Meinung über Bushs Politik gegenüber seinem Land geäußert hat, denn es ist viel besser, Bush mit Schuhen zu bewerfen als sich einen Sprengstoffgürtel umzuschnallen und sich neben dem US-Präsidenten in die Luft zu sprengen."

"Ein Held, ein Löwe aus dem Zweistromland"

Türkische Medien berichteten unterdessen, die Wurf-Schuhe des Fernsehreporters aus Bagdad seien in der türkischen Stadt Gaziantep hergestellt worden. "Dieses Modell wird von uns exportiert und ist im Nahen Osten sehr beliebt", sagte ein Firmenvertreter.

Die internationale Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen rief unterdessen zur Freilassung des Journalisten auf, "aus humanitären Gründen und um Spannungen zu vermeiden". In einer Erklärung der Organisation vom Dienstagabend hieß es weiter: "Selbstverständlich bedauern wir, dass der Journalist diese Methode gewählt hat, um gegen die Politik des amerikanischen Präsidenten zu protestieren."

In dem vorwiegend von Sunniten bewohnten Bagdader Stadtteil Adhamija demonstrierten am Mittwoch erneut Hunderte von Irakern für die Freilassung des Journalisten. Sie riefen: "Er ist ein Held, ein Löwe aus dem Zweistromland." (bai/dpa)

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