Irak : Mindestens 130 Tote bei Selbstmordanschlag

Beim zweitschwersten Anschlag im Irak seit dem US-Einmarsch im März 2003 sind in Bagdad mindestens 130 Menschen getötet worden. 305 weitere Menschen wurden nach vorläufigen Angaben der Sicherheitskräfte verletzt.

Bagdad - Ein mit einer Tonne Sprengstoff beladener Lastwagen war in der Nähe eines Marktes im Zentrum Bagdads explodiert. Der irakische Ministerpräsident Nuri al Maliki verurteilte das Attentat aufs Schärfste und machte Anhänger des Ende Dezember hingerichteten Ex-Machthabers Saddam Hussein für die Tat verantwortlich. Regierungssprecher Ali al Dabbagh sagte, die Hälfte der Attentäter im Irak kämen aus Syrien.

Nach Angaben der Sicherheitskräfte fuhr ein Selbstmordattentäter mit einem Lastwagen auf den belebten Markt von Sadrija im Zentrum der irakischen Hauptstadt zu und löste die Detonation aus. Der Lastwagen enthielt mindestens eine Tonne Sprengstoff, wie der für den Anti-Terror-Kampf zuständige irakische Generals Dschihad al Dschaberi im Fernsehsender Al Irakija sagte. Zwei durch die Explosion schwer beschädigte Gebäude seien eingestürzt; acht weitere Gebäude seien zum Teil zerstört worden. Möglicherweise werde die Zahl der Opfer noch steigen, da sich unter den Trümmern noch Leichen befänden.

Wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete, riegelte die Polizei den Anschlagsort hermetisch ab. Ängstliche Überlebende und Angehörige von Opfern warfen mit Steinen auf die Beamten, um diese zum Abzug zu bewegen. Die Angehörigen waren wütend, weil sie nicht zu den Opfern vorgelassen wurden. Ein Polizist, der in einem blutüberströmten Wagen Verletzte abtransportieren wollte, wurde von offenbar unter Schock stehenden Menschen angepöbelt und verprügelt. Es war das zweitschwerste Attentat im Irak seit der US-geführten Invasion im März 2003. Am 23. November 2006 waren bei vier koordinierten Anschlägen im Schiitenviertel Sadr City mindestens 202 Menschen getötet worden.

Kurz nach dem Anschlag im Zentrum schlugen in zwei südlichen Randbezirken von Bagdad mehrere dutzende Granaten ein und töteten drei Menschen. Zwölf Menschen wurden verletzt.

Sieben Autobombenanschläge in Kirkuk

Landesweit kamen am Samstag mindestens elf weitere Menschen ums Leben. In Kirkuk, Mossul und Samarra erließen die Behörden nach Kämpfen und Anschlägen teils befristete Ausgangssperren. Im nordirakischen Kirkuk wurden nach Angaben von Sicherheitsbeamten sieben Autobombenanschläge verübt, bei denen zwei Menschen getötet und 28 verletzt wurden. In der sunnitischen Stadt Samarra wurde eine unbefristete Ausgangssperre verhängt, nachdem sechs Mitglieder einer Spezialeinheit der Polizei bei einem Angriff auf ihren Kontrollpunkt getötet wurden. Zudem explodierte eine Bombe neben einem Minibus, tötete einen Menschen und verletzte vier weitere.

Bei einem Autobombenanschlag in Mahmudija, südlich von Bagdad, starb ein Mensch, fünf weitere wurden verletzt. Bei Kämpfen zwischen Einwohnern und Aufständischen in Charnaba starb ein Mensch. Vier weitere Menschen wurden nach Polizeiangaben durch Mörser verletzt.

Der irakische Regierungssprecher Al Dabbagh sagte im Sender Al Irakija, die Hälfte der Straftaten und Anschläge im Irak gingen auf sunnitische Araber zurück, die aus Syrien kämen. "Wir haben dafür Beweise und haben sie unseren syrischen Brüdern vorgelegt", sagte er. (tso/AFP)

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