Irak : Mordvorwürfe gegen Ex-US-Soldaten

Die jüngsten Berichte über Gräueltaten eines früheren US-Soldaten haben in Bagdad Entsetzen ausgelöst. Dem 21-Jährigen werden die Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Frau und die Ermordung von drei weiteren irakischen Zivilisten vorgeworfen.

Bagdad/Washington - Mit der Gewalttat gegen die junge Frau sei "Iraks Ehre" angegriffen worden, sagte die sunnitische Abgeordnete Safiah al Suheil am Dienstag. Die irakische Regierung müsse sich in die Ermittlungen einschalten. Das US-Justizministerium hatte am Vorabend mitgeteilt, dass gegen einen 21-jährigen, inzwischen entlassenen Soldaten ein Verfahren wegen Vergewaltigung und vierfachen Mordes eröffnet wurde.

Ebenso wie die Vergewaltigung sollen die Morde am 12. März in Mahmudijah verübt worden sein. Mehrere andere US-Soldaten sollen Zeugen der Taten gewesen sein. "Es geht um eine Irakerin, sie steht für die Ehre aller Frauen dieses Landes", sagte Suheil zu der mutmaßlich Vergewaltigten. Das Parlament müsse die Regierung zwingen, eigene Ermittlungen anzustellen und die Verantwortlichen zu bestrafen. Einzelheiten der Bluttat waren am Montag in Washington erstmals bekannt gegeben worden. Der 21-jährige Steven Green soll demnach seinen drei Begleitern zunächst von der jungen Frau erzählt haben, bevor sie gemeinsam in das Haus nahe Mahmudijah eindrangen. Dort habe Green die Frau vergewaltigt und erschossen. In demselben Haus habe er drei weitere Menschen erschossen, unter ihnen ein minderjähriges Mädchen.

Das US-Justizministerium machte keine Angaben zur Identität der Opfer. Die "Washington Post" berichtete unter Berufung auf Nachbarn der Todesopfer, dass es sich um ein Ehepaar und seine zwei Töchter handele. Demnach hatte die 15-jährige Tochter ihrer Mutter anvertraut, dass ihr US-Soldaten an einem nahe gelegenen Kontrollpunkt wiederholt Avancen gemacht hätten. Nach Angaben des US-Justizministeriums wurde Green am Freitag im Bundesstaat North Carolina festgenommen und am Montag einem Bundesgericht in Charlotte vorgeführt.

Irakischer Vizeminister und 19 Leibwächter entführt

Der stellvertretende irakische Elektrizitätsminister Raad al Hareth wurde am Dienstag zusammen mit 19 Leibwächtern entführt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen war der Vize-Minister mit seiner Leibgarde im Osten Bagdads unterwegs, als Bewaffnete in Polizeiuniformen den Konvoi überfielen. Sie fuhren mit sieben Autos vor und brachten die Fahrzeuge des Vize-Ministers unter ihre Kontrolle. Erst am Samstag war in Bagdad eine sunnitische Abgeordnete mit ihren sieben Leibwächtern entführt worden. Die Sunniten boykottieren seither die Parlamentssitzungen. Zur Eindämmung der Gewalt wurde Mitte Juni ein Sicherheitsplan in Kraft gesetzt, an dem sich 50.000 irakische Soldaten und Polizisten sowie 7000 US-Soldaten beteiligen.

(tso/AFP)

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