Irak : Neue Gefechte mit Sadr-Miliz

Nadschaf/Bagdad - Die irakische Regierung will im Kampf gegen die Milizionäre des radikalen Schiitenpredigers Muktada al Sadr auf keinen Fall einlenken. Aus Bagdads östlicher Schiitenvorstadt Sadr-City wurden am Dienstag neue Gefechte zwischen der Miliz und den von US-Soldaten unterstützten Regierungstruppen gemeldet. Augenzeugen berichteten von zahlreichen zivilen Opfern. Mehrere Parlamentarier forderten ein Ende der Blockade des Viertels durch das Militär, um die medizinische Versorgung der zivilen Opfer zu gewährleisten.

Schiitenführer al Sadr hat seinerseits mit dem offiziellen Ende der Waffenruhe im Irak gedroht. Seine Mahdi-Miliz arbeite „Hand in Hand“ mit der Bevölkerung und werde die Waffenruhe beenden, um „Sicherheit, Stabilität und die Befreiung“ des Irak zu erreichen, hieß es in einer am Dienstag in Nadschaf veröffentlichten Erklärung. Sadr kündigte an, eine entsprechende Entscheidung gegebenenfalls in einer weiteren Erklärung bekannt zu geben. Die Mahdi-Miliz hatte im August vergangenen Jahres eine Waffenruhe erklärt.

Zugleich zog Sadr einen Aufruf zu einer gegen die USA gerichteten Großdemonstration anlässlich des fünften Jahrestages der Entmachtung von Saddam Hussein zurück. In der Erklärung forderte der Schiitenführer die Bevölkerung auf, nicht wie geplant am Mittwoch in Bagdad gegen die US-Truppen zu demonstrieren. Am 9. April 2003 waren US-Truppen in die irakische Hauptstadt einmarschiert und hatten Saddam Hussein gestürzt.

In Bagdad lieferten sich US-Truppen und schiitische Milizen am Dienstag weiter heftige Gefechte. US-Soldaten versuchten, sich weiter im Viertel Sadr-City vorzukämpfen, einer Hochburg al Sadrs, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Schusswechsel dauerten die ganze Nacht an und verstärkten sich am frühen Dienstagmorgen. Kämpfer der Mahdi-Miliz behinderten mit Sprengsätzen das Vorrücken der irakischen und der US-Truppen auf den Hauptstraßen des Viertels im Nordosten Bagdads. US-Scharfschützen bezogen in und um die Kampfzone herum Stellung, die von US-Kampfhubschraubern überflogen wurde.

Die irakische Armee hatte Ende März in der südirakischen Ölstadt Basra mit einer Offensive gegen die Mahdi-Miliz begonnen; die Kämpfe hatten sich auf mehrere Städte im Land ausgeweitet. Am Sonntag vergangener Woche hatte Sadr seine Gefolgsleute zum Rückzug aufgefordert. Nach einer Woche relativer Ruhe flammten jedoch eine Woche später erneut Kämpfe in Sadr-City auf.

Für Dienstagabend wurde ein Bericht des Kommandeurs der US-Streitkräfte im Irak, General Petraeus, zur Lage im Irak erwartet. Petraeus sollte den Bericht dem US-Kongress in Washington vorlegen. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Frage der künftigen Truppenstärke im Irak. AFP/dpa

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