Irak-Politik : US-Zeitungen fordern sofortigen Truppen-Abzug

Bushs Irak-Feldzug ist nach Meinung von führenden US-Zeitungen gescheitert: Die Stabilisierung des Landes kommt nicht voran, die Zahl der getöteten Soldaten steigt, die Gräben zwischen den verfeindeten Parteien werden größer.

US-Präsident George W. Bush gerät mit seiner Irak-Politik auch seitens der Medien im eigenen Land immer stärker unter Druck. Die irakische Regierung mache nur unzureichende Fortschritte bei der Stabilisierung des Landes und werde entsprechende Vorgaben und Fristen der US-Regierung aller Voraussicht nach verfehlen, berichtete die Zeitung "Washington Post" am Sonntag unter Berufung auf einen Irak-Zwischenbericht, der dem US-Kongress kommende Woche vorgelegt werden soll; im September soll ein abschließender Bericht folgen. Das Blatt zitiert einen ranghohen US-Geheimdienstmitarbeiter mit den Worten, es gebe nicht genug politische Fortschritte im Irak, um die Vorgaben bis September zu erreichen.

"Es ist Zeit für die USA, den Irak zu verlassen"

Zwar verbessere sich die Sicherheitslage im Irak, allerdings nur in Teilen des Landes, zitiert die renommierte "Post" den Geheimdienstmitarbeiter weiter. Der Zeitung zufolge kommt der Bericht zu dem Schluss, dass die Zahl der im Irak getöteten US-Soldaten weiter steigt, die Gewalt sich auf immer größere Teile des Landes erstreckt und sich die Glaubensgemeinschaften im Irak immer stärker bekriegen. Der Irak-Bericht ist für den US-Kongress Grundlage für die Bewilligung von Finanzmitteln für den US-Militäreinsatz im Irak.

Unterdessen forderte die "New York Times" in ihrer Sonntagsausgabe den unverzüglichen Abzug der US-Soldaten aus dem Irak. In einem ungewöhnlich langen Kommentar auf einer halben Zeitungsseite heißt es: "Es ist Zeit für die USA, den Irak zu verlassen" - dies dürfe nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen als es dauere, einen geordneten Rückzug zu organisieren. Bush habe ein "Desaster geschaffen", als er "ohne hinreichenden Grund" den Einmarsch in den Irak angeordnet haben - ungeachtet "weltweiten Widerstands und ohne einen Plan, das Land später zu stabilisieren". Es sei "erschreckend deutlich", dass Bush vorhabe, für die Dauer seiner Präsidentschaft seinen Kurs weiterzuverfolgen und das Chaos seinem Nachfolger zu überlassen.

Verteidigungsminister vertagt Lateinamerika-Reise

In den vergangenen Tagen hatte eine Reihe prominenter Vertreter aus Bushs eigener republikanischer Partei öffentlich mit der Irak-Politik des Präsidenten gebrochen - darunter einflussreiche Senatoren wie Lamar Alexander und Richard Lugar. US-Verteidigungsminister Robert Gates vertagte unterdessen eine Lateinamerika-Reise, um bei der Vorstellung des Irak-Berichts in Washington anwesend zu sein. Das teilte das US-Verteidigungsministerium mit. (mit AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben