Irak : Polizeiwache in Basra gestürmt

Britische und irakische Soldaten haben eine Polizeiwache im südirakischen Basra gestürmt und Gefangene aus ihren Zellen befreit. Es lagen Informationen vor, wonach dort Häftlinge hingerichtet werden sollten.

Basra/Bagdad - Die Wache sei zerstört worden, sagte ein britischer Militärsprecher. Die Polizeieinheit stehe im Verdacht, für schwere Verbrechen wie Morde verantwortlich zu sein. Es hätten Geheimdienstinformationen vorgelegen, dass einige Häftlinge umgebracht werden sollten.

Den Angaben zufolge saßen insgesamt 178 Gefangene in den Zellen der Dschamiat-Wache ein. Nach Stürmung des Gebäudes seien mehrere Häftlinge medizinisch versorgt worden, bevor sie in andere Gefängnisse gebracht worden seien. Einige wiesen nach Angaben von beteiligten Sanitätern Folterspuren auf. Bereits am Freitag seien sieben Polizeioffiziere unter dem Verdacht verhaftet worden, eine Todesschwadron geleitet zu haben.

Operation lange vorbereitet

Die meisten der rund 7200 britischen Soldaten im Irak sind in und um Basra stationiert. Dort ringen Milizen verschiedener Schiiten-Parteien um die Macht. Die Zerschlagung der Polizeieinheit sei seit dem Sommer vorbereitet worden. Die Operation sei mit der irakischen Regierung abgesprochen gewesen, betonte ein Sprecher des irakischen Innenministeriums bei einer Pressekonferenz in Bagdad.

Die Soldaten waren gegen zwei Uhr morgens mit Panzern ausgerückt. Nach dem Abtransport der Häftlinge sprengten sie das Gebäude in die Luft. Im September vergangenen Jahres hatten britische Soldaten schon einmal das Gefängnis mit Panzern angegriffen, um zwei ihrer von der Polizei festgenommenen Kameraden zu befreien.

Korruption offenbar weit verbreitet

Derzeit gibt es nach verschiedenen Angaben zwischen 135.000 und 190.000 irakische Polizisten. Die Polizei, in der Korruption weit verbreitet sein soll, soll nach einem Abzug der ausländischen Truppen zusammen mit der Armee im Irak für Sicherheit sorgen. Bei Anschlägen und Überfällen kamen seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein im Frühjahr 2003 nach Angaben des irakischen Innenministeriums vom Sonntag bereits 12.000 Polizisten ums Leben.

An einer Straßensperre rund 80 Kilometer südlich von Bagdad töteten Bewaffnete unterdessen vier Polizisten. Bei einem ähnlichen Zwischenfall 20 Kilometer weiter nördlich wurden drei Polizisten verletzt. Bei zwei Überfällen Bewaffneter starben im Großraum Bakuba, 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad, nach Polizeiangaben fünf Iraker.

(tso/dpa)

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