Politik : Irak: "Provoziere nie eine Schlange"

Hans Dahme

Mit 58 Geboten will sich der irakische Staatschef Saddam Hussein in der Geschichte seines Landes verewigen. Das erste Gebot beginnt gleich mit einer Warnung: "Provoziere nie eine Schlange, bevor du darüber nachgedacht und deine Fähigkeiten eingeschätzt hast, ihr den Kopf abzuschlagen." Die kleine Fibel für gute irakische Staatsbürger, vor wenigen Monaten vorgestellt und inzwischen Bestandteil der meisten Amtsstuben, hält Ratschläge vom Alltagsleben bis hin zur erfolgreichen militärischen Offensive parat.

"Glaube nicht alles, was die Leute reden", oder "Schütze deine Geheimnisse mit Umsicht. Offenbare sie keinem", heißt es in den Geboten 43 und 18. Auch Saddams Selbstbild, von manchem nicht geteilt, spiegelt sich in der Ratschläge-Sammlung wider. "Menschenführung bedarf eines gütigen Herzens, der Menschenliebe und des Abscheus gegen hasserfülltes Handeln" (41), oder "Versuche, niemandem etwas Schlechtes anzutun" (16). Das zwölfte Gebot verkündet: "Lass deinen Feind nie auf Vergebung hoffen". An zweiter Stelle rät der 63-Jährige: "Wähle keinen Gefährten, der denkt, dass du ihn verachtest."

Seit zehn Jahren lässt der Präsident, Oberbefehlshaber der Armee und Vorsitzende der allein regierenden Baath-Partei seine "Mutter aller Schlachten" in den staatlichen irakischen Medien weiterführen. Gebot 30 verkündet deshalb: "Nichts ist besser, als immer wieder neu auf den Sieg zu hoffen."

Vor rund 3700 Jahren ließ der Schöpfer des ersten babylonischen Reiches, König Hammurabi (1728-1686 v. Chr.), seine Gesetzessammlung in einen schwarzen Diorit-Block einmeißeln. Der Stein mit den 258 Paragrafen wurde 1901 in Susa gefunden, steht heute im Pariser Louvre und macht Hammurabi als Staatsmann unsterblich.

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