Irak : Regierungskrise in Bagdad

Sechs Minister von der Bewegung des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr haben offiziell die irakische Regierung verlassen. Laut einem TV-Sender forderte Sadr den Regierungschef auf, die Posten mit "qualifizierten Kräften zu besetzen".

Basra/Bagdad - Der Fraktionsvorsitzende Nassar al-Rubai begründete die Entscheidung der Sadr-Bewegung mit der Weigerung des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki, "die Befugnisse der ausländischen Besatzungstruppen genau festzulegen." Außerdem habe al-Maliki bis jetzt keinen Zeitplan für den Abzug der Truppen vorgelegt. Der staatliche Fernsehsender Al-Irakija berichtete, Muktada al-Sadr habe den Regierungschef aufgefordert, die sechs Ministerposten nun mit "qualifizierten Kräften zu besetzen und nicht auf der Basis eines Quotensystems". Die Sadr-Bewegung stellt 32 der insgesamt 275 Abgeordneten im Parlament in Bagdad.

Tausende von Anhängern der Bewegung protestierten in der südirakischen Hafenstadt Basra gegen die Provinzverwaltung. Sie forderten den Rücktritt von Gouverneur Mohammed al-Waili. In Basra herrschte nach Angaben von Einwohnern große Sorge, dass die Proteste in einen größeren Konflikt zwischen den verschiedenen schiitischen Parteien ausarten könnten. "Bis jetzt sind die Proteste gewaltfrei", sagte ein Augenzeuge. Die Demonstranten, zu denen auch Anhänger der schiitischen Regierungspartei Hoher Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) gehörten, zogen vor mehrere Gebäude der Provinzverwaltung, aus denen Regierungsvertreter aus Angst vor Unruhen am Vortag alle wichtigen Dokumente entfernt hatten. (tso/dpa/AFP)

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