Irak : Ringen um eine neue US-Strategie

Der Kurswechsel in der Irakpolitik scheint umstritten - US-Präsident Bush will seine neue Strategie erst 2007 präsentieren. Unterdessen wurden heute wieder zahlreiche Menschen bei Anschlägen im Irak getötet.

Washington/Bagdad - US-Präsident George W. Bush sei zu dem Schluss gekommen, dass er die Resultate seiner Beratungen mit US-Diplomaten, Armeeangehörigen und Mitgliedern der irakischen Regierung noch nicht vorstellen könne, sagte sein Sprecher Tony Snow in Washington. Der frühere Pentagon-Berater Richard Perle übte Kritik am Verlauf des Irak-Krieges. "Die Idee war gut, die Ausführung schlecht", sagte er der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung "Die Zeit". Bei mehreren Anschlägen im Irak starben am Mittwoch insgesamt mindestens 31 Menschen.

Es seien noch einige praktische und taktische Fragen zu klären, sagte Snow weiter. Ein genaues Datum für die Vorstellung einer neuen Strategie wollte er nicht nennen. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, es sei sinnvoll, wenn sich der Präsident ausreichend Zeit für die Ausarbeitung des künftigen Kurses im Irak nehme. Die demokratische Opposition kritisierte die Entscheidung. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, forderte Bush auf, seine Führungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und "jetzt seine Politik zu ändern".

"Wir hätten uns auf eine irakische Nachkriegsführung verständigen sollen", sagte Perle dem Blatt. Dies hätten aber das US-Außenministerium und der Geheimdienst CIA abgelehnt. Die Ergebnisse der Baker-Kommission zu einer neuen US-Strategie im Irak lehnte der ehemalige Berater von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ab. "Ich habe noch nie einen solch törichten Report gesehen", sagte er. Sowohl Gespräche mit den Irak-Nachbarn Syrien und Iran seien falsch, wie auch Abzugspläne aus dem Irak.

Wieder Anschläge im Irak

Bei einem Attentat in Rijadh im Nordostirak töteten Attentäter mit zwei mit Sprengstoff beladenen Lastwagen zehn Soldaten. Neun weitere Menschen wurden bei dem Anschlag auf eine Einheit zum Schutz von Erdölanlagen verletzt, sagte ein Offizier, der bei der Explosion vor Ort war. Bei einem Anschlag auf eine Polizeipatrouille in der Region wurde zudem eine Frau getötet, drei Menschen wurden verletzt.

Im Osten Bagdads kamen bei einem Attentat am Mittwochmorgen zehn Menschen ums Leben. Weitere 26 Menschen seien verletzt worden, teilte ein Sicherheitsbeamter mit. Die Explosion ereignete sich demnach mitten auf einem belebten Marktplatz nahe einer sunnitischen Moschee in dem überwiegend von Schiiten bewohnten Viertel Kamalija. Bei einem zweiten Anschlag starben im Stadtviertel Neu-Bagdad etwas später nach Polizeiangaben fünf Menschen. Den Angaben zufolge explodierten zwei Fahrzeuge inmitten einer Gruppe schiitischer Arbeitssuchender.

Saudi Arabien will Suniten unterstützen

Saudi-Arabien drohte unterdessen laut einem Pressebericht, im Falle eines Abzugs der US-Truppen aus dem Irak die Sunniten bei ihrem Kampf gegen die Schiiten finanziell zu unterstützen. Wie die "New York Times" unter Berufung auf arabische und US-Diplomaten berichtete, sprach der saudiarabische König Abdullah diese Warnung gegenüber US-Vizepräsident Dick Cheney vor zwei Wochen in Riad aus. Saudi-Arabien befürchtet, dass die sunnitische Minderheit von der schiitischen Mehrheit im Irak "abgeschlachtet" werden könnte.

König Abdullah, der ein enger Verbündeter der USA ist, habe sich zudem gegen Kontakte zwischen Washington und Teheran ausgesprochen. Der saudische Herrscher habe sich vielmehr für eine Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern stark gemacht, schrieb die "New York Times" unter Berufung auf ranghohe Berater der Regierung (tso/AFP/dpa)

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