Irak : Saddam Hussein hingerichtet

Der frühere irakische Diktator Saddam Hussein ist tot. Der 69-Jährige wurde gegen 6 Uhr Ortszeit in Bagdad gehängt. Dies berichtete das staatliche Fernsehen.

Bagdad - Entgegen anders lautenden Berichten fand die auch erwartete Hinrichtung seines Halbbruders und eines ebenfalls wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilten Ex-Richters noch nicht statt. Der arabische Sender Al-Arabija hatte zuvor ihre Hinrichtung vermeldet.

Kurz vor der Vollstreckung der Todesstrafe waren Saddam Husseins Anwälte mit einem Gesuch bei der US-Justiz gescheitert, die Hinrichtung zu stoppen. Die Sicherheitskräfte im Irak waren aus Furcht vor Gewalt in Alarmbereitschaft.

Saddam Hussein und seine beiden Verbündeten waren wegen der Ermordung von 148 Einwohnern des Dorfes Dudschail in den 80er Jahren zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Nach dem Urteil vom November hatte ein Berufungsgericht die Strafe am Dienstag bestätigt. Der 69-Jährige hatte mehr als zwei Jahrzehnte über sein Volk geherrscht, neben Dudschail wurden ihm zahlreiche weitere Verbrechen zur Last gelegt. Der Einmarsch der US-Truppen im Frühjahr 2003 hatte sein Ende eingeleitet. Als erster arabischer Führer wurde Saddam Hussein von der Justiz seines Landes für seine Taten zur Rechenschaft gezogen.

Eine Beraterin des irakischen Außenministers sagte dem Sender, sie sei bei der Hinrichtung anwesend gewesen. "Alles wurde gefilmt", sagte Mariam el Rajis. Bei der Hinrichtung waren unter anderem der Berufungsrichter Munir Haddad, Generalstaatsanwalt Munkith el Farun, ein Arzt sowie ein Gesandter von Ministerpräsident Nuri el Maliki sowie einige Journalisten anwesend.

Mitverurteilte noch nicht gehängt

Irakija blendete die Nachricht ein: "Die Exekution von Saddam Hussein ist vollzogen". Einige Minuten später hieß es, er habe am Strang gehangen, bis der Tod gekommen sei. Ab 6 Uhr Ortszeit (4 Uhr MEZ) sendete Irakija Koranverse, später patriotische Gesänge. Auf einem Laufband hieß es schließlich: "Mit dem Tod Saddam Husseins, ist ein schwarzes Kapitel der irakischen Geschichte beendet."

Der ebenfalls anwesende Sicherheitsberater Moffak al Rubai sagte Irakija, Hussein sei "entschieden und mutig" auf den Galgen gestiegen. Er habe nicht versucht, Widerstand zu leisten und habe um nichts gebeten. Bei seiner Hinrichtung seien seine Hände gefesselt gewesen. Rubai und Haddad sagten dem Sender zudem, dass die beiden Mitverurteilten noch nicht gehängt worden seien.

Bush schläft während Hinrichtung

US-Präsident George W. Bush erklärte am Freitag (Ortszeit) in den USA, die Hinrichtung sei ein "wichtiger Meilenstein" auf dem Weg zu einer irakischen Demokratie. Er warnte jedoch, dass dieser Schritt nicht die Gewalt im Land beenden werde. Im Augenblick der Hinrichtung Saddam Hussein schlief Bush. Der Präsident habe seinen Tag mit dem Wissen beendet, dass die "letzte Phase" der Verurteilung Saddam Husseins begonnen habe, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Zum Zeitpunkt der Vollstreckung des Todesurteils war es im texanischen Crawford 22 Uhr.

Die britische Außenministerin Margaret Beckett erklärte, Saddam Hussein habe "bezahlt". Sie sei froh, dass er von einem irakischen Gericht wenigstens für einige der schrecklichen Verbrechen zur Rechenschaft gezogen worden sei, die er am irakischen Volk begangen habe. Die britische Regierung respektiere die Entscheidung der Iraker, wenngleich sie selbst die Todesstrafe ablehne.

Sorge über Zukunft Iraks

Das französische Außenministerium rief die Iraker auf, nun in die Zukunft zu blicken. Frankreich rufe alle Iraker auf, an der Wiederversöhnung und der nationalen Einheit zu arbeiten, hieß es in einer Erklärung. Mehr als jemals zuvor müsse das Ziel sein, zur vollen Souveränität und Stabilität des Iraks zurückzukehren.

Die US-Richterin Colleen Kollar-Kotelly habe das Gesuch des Hinrichtungsstopps nach einer Telefonanhörung der Anwälte des früheren irakischen Staatschefs abgewiesen, berichtete der Sender CBS. Nach Angaben des US-Justizministeriums hatten die Anwälte in ihrem Vorstoß in letzter Minute geltend gemacht, dass Saddam Hussein als "Kriegsgefangener" in US-Gewahrsam sei und deshalb durch die Genfer Konventionen geschützt sein müsse. Er habe zunächst eine Aussetzung des Todesurteils erreichen wollen. (tso/AFP/dpa)

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