Irak : Schiiten-Prediger al Sadr ruft Milizen zum Rückzug auf

Nach tagelangen blutigen Gefechten hat sich im Irak ein Ende der Kämpfe zwischen schiitischen Milizen und Regierungstruppen abgezeichnet. Der radikale Schiitenführers Moktada Sadr rief seine Gefolgsleute am Sonntag in einer Erklärung zum Rückzug auf.

Bagdad Die Nachrichtenagentur AP berichtete, der Schiitenführer habe den Rückzug seiner Anhänger angeboten, wenn die Regierung ihnen im Gegenzug eine Generalamnestie gewähre. Ministerpräsident Nuri el Maliki begrüßte Sadrs Aufruf in einer Erklärung als „eine gute Initiative“. Die über die irakische Hauptstadt Bagdad und das südirakische Basra verhängten Ausgangssperren wurden zunächst jedoch nicht aufgehoben.

„Wir wollen, dass die Iraker aufhören, Blut zu vergießen, und dass sie ihre Unabhängigkeit und die Stabilität des Landes verteidigen“, hieß es in der in Nadschaf veröffentlichten Rückzugsaufforderung des Schiitenführers. Zugleich forderte Sadr die irakische Regierung auf, inhaftierte Anhänger seiner Bewegung freizulassen und die Angriffe zu stoppen. „Sobald wir die Anordnung von Moktada hörten, haben wir begonnen, uns aus den Straßen zurückzuziehen“, sagte Abu Mustapha von der Sadr-Miliz im Bagdader Stadtteil Sadr City. Vor Sadrs Aufruf hatte ein Sprecher seiner Bewegung gesagt, die Verhandlungen mit der irakischen Regierung gingen in die richtige Richtung. Noch am Samstag hatten sich beide Seiten kompromisslos gezeigt. „Sadrs Erklärung ist eine gute Initiative, die in die richtige Richtung geht“, erklärte Maliki in Bagdad. Der Aufruf werde hoffentlich zur Stabilisierung der Lage im Irak beitragen. Zugleich versicherte der Regierungschef, die Einsätze der irakischen Sicherheitskräfte richteten sich nicht gegen eine politische oder religiöse Gruppe wie die Sadr-Bewegung. Zuvor noch hatte Maliki seine Entschlossenheit bekräftigt, die Offensive in Basra fortzusetzen. „Wir werden Basra nicht verlassen, solange die Sicherheit nicht wiederhergestellt ist und diejenigen, die ihre Waffen gegen den Staat richten, bestraft worden sind“, sagte er im Staatsfernsehen.

Die Kämpfe zwischen Sadrs Mahdi-Miliz und den irakischen Sicherheitskräften hatten am Dienstag in Basra begonnen und sich auf mehrere Städte des Landes ausgeweitet. (tso/AFP)

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