Irak : Schiiten protestieren gegen Sicherheitspakt mit USA

"Freies Bagdad, Besatzer raus": Mit diesen und anderen Slogans demonstrierten zehntausende Anhänger des radikalen Schiiten-Predigers Al-Sadr in Bagdad gegen das geplante Sicherheitsabkommen zwischen den USA und dem Irak.

Irak
Die demonstrierenden Schiiten wollen die US-Besatzer am liebsten sofort los werden. -Foto: dpa

BagdadMuktada al-Sadr rief bei der Kundgebung alle Iraker zum Widerstand gegen das Stationierungsabkommen auf, das die Besatzung des Iraks nur verlängere. An das irakische Parlament appellierte er, einen zwischen Unterhändlern beider Seiten vereinbarten Entwurf nicht zu billigen. Die Demonstranten riefen Slogans wie: "Nein, nein, nein Amerika!", "Nein, nein, nein Israel!", "Freies Bagdad!" und "Besatzer raus!"

Die Unterhändler der USA und des Iraks hatten sich in den vergangenen Tagen nach monatelangem Tauziehen auf einen Entwurf für das geplante langfristige Abkommen zwischen beiden Staaten geeinigt. Bislang ist aber noch unklar, ob das irakische Parlament der Vorlage, die die Bedingungen für den Verbleib amerikanischer Truppen im Irak ab 2009 regeln soll, akzeptieren wird. Die Amerikaner stehen unter Zeitdruck, da das UN-Mandat für ihre Stationierung im Irak zum Jahresende endet.

Al-Sadr: Über eine Million Menschen demonstrieren

Insbesondere schiitische Würdenträger haben in den vergangenen Tagen Bedenken gegen den Sicherheitspakt angemeldet. Umstritten ist unter anderem, inwieweit die irakische Justiz von US-Soldaten begangene Straftaten verfolgen darf. Ein Sprecher von Al-Sadr bezifferte die Zahl der Demonstranten am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak auf eine Million. Dem Demonstrationszug der Schiiten hätten sich auch Mitglieder anderer Bevölkerungsgruppen, darunter Sunniten, Kurden und Christen, angeschlossen, betonte der Sprecher.

Unterdessen nahmen Grenzschützer vier Soldaten der iranischen Revolutionsgarden ("Pasdaran") fest. Aswat al-Irak berichtete, die Männer hätten bei ihrer Festnahme in der Nacht zum Samstag Militäruniformen und Waffen getragen. Sie seien in der Ortschaft Mandaly nordöstlich von Bagdad, und damit eindeutig auf irakischem Staatsgebiet, unterwegs gewesen.

Amerikaner haben mutmaßliche Hisbollah-Mitglieder festgenommen

Das US-Militärkommando berichtete, amerikanische Soldaten hätten östlich von Bagdad am Samstag zwei mutmaßliche Angehörige der Hisbollah-Brigaden festgenommen, die bei ihren Angriffen auf irakische und ausländische Soldaten vom Iran unterstützt würden. Vor allem säkulare Araber und Sunniten werfen den irakischen Schiiten- Parteien vor, sie ließen sich von dem einstigen Kriegsgegner Iran (1980-1988) zu stark beeinflussen.

Derweil traf der bahrainische Außenminister Scheich Chalid bin Hamad al-Chalifa zu Gesprächen mit der irakischen Führung in Bagdad ein. Bahrain ist neben den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Jordanien eines von vier arabischen Ländern, das seit der US-Invasion 2003 wieder volle diplomatische Beziehungen mit dem Irak aufgenommen hat.

Nach Angaben des Innenministeriums wurden am Samstag bis zum Mittag bei Gewaltakten im Land mindestens fünf Menschen getötet. So wurde westlich Bagdads ein Soldat getötet und ein weiterer verletzt, als am Straßenrand ein Sprengsatz detonierte. (sba/dpa)

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