Irak : Schwere Unruhen in Sadr City

Bei neuen Gewalttaten im Irak sind am Montag mindestens 27 Menschen getötet und fast 50 verletzt worden. Zu schweren Kämpfen kam es erneut im Schiitenviertel Sadr City in Bagdad.

Bagdad/Samarra - Allein in Samarra nördlich von Bagdad starben bei einem Selbstmordattentat neun Polizisten, 30 wurden verletzt. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte in einem Interview mit der US-Zeitschrift "Time", sie glaube nicht, dass der Irak in einen Bürgerkrieg abgleite. Ähnlich äußerte sich Präsident Dschalal Talabani.

In Samarra raste ein Auto mit großer Geschwindigkeit gegen ein Polizeigebäude. Unter der Wucht der Explosion brach das Gebäude zusammen. In der Stadt leben mehrheitlich Sunniten.

US-Truppen in Bagdad verstärkt

Im Schiitenviertel Sadr City in Bagdad wurden bei schweren Zusammenstößen zwischen Aufständischen und Einheiten der irakischen Armee sowie der US-Streitkräfte in der Nacht zum Montag mindestens zwei Milizionäre getötet und drei verletzt, wie ein Sprecher des irakischen Verteidigungsministeriums sagte. Nach Krankenhaus-Angaben wurden eine Frau und ihre Tochter getötet. Die US-Streitkräfte teilten mit, ein Soldat der Koalition sei getötet worden. Zwei irakische Soldaten wurden verletzt.

Der Einsatz habe zwei Stunden gedauert. Ziel sei die Festnahme eines Schiitenführers gewesen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums weiter. Angesichts der anhaltenden Anschläge werden seit Samstag die US-Truppen in Bagdad verstärkt.

Sieben Tote bei Schießerei in Baladrus

Die US-Armee griff das Viertel auch aus der Luft an, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Ein Sprecher des radikalen Milizenchefs Moktada Sadr sagte, dabei seien mehrere Häuser zerstört worden. In Sadr City leben rund 2,5 Millionen Schiiten. Am vergangenen Freitag waren hier zehntausende Menschen aus Solidarität mit der radikalen Hisbollah-Miliz im Libanon auf die Straße gegangen.

Sechs Soldaten und ein Aufständischer wurden während einer Schießerei auf einen Kontrollposten in Baladrus im Norden von Bagdad getötet. Vier Menschen erlitten Verletzungen. Baladrus liegt 40 Kilometer von der Stadt Baakuba entfernt.

Bombe in Friseursalon explodiert

In Mossul im Nordirak starben zwei Polizisten, als Bewaffnete auf ihr Auto schossen. Vier wurden verletzt. Im Bagdader Viertel Dschedida drangen bewaffnete Männer in einen Friseursalon ein, töteten einen Angestellten und hinterließen eine Bombe. Diese explodierte einige Minuten später, tötete einen Menschen und verletzte drei weitere, erklärten Sicherheitskräfte. Der Inhaber eines Telefonladens im Zentrum wurde durch eine selbstgebastelte Bombe getötet.

Die Leichen eines Zivilisten und eines Polizisten wurden in Kut, südlich von Bagdad, gefunden. Sie starben durch Schüsse. Bei einer Bombenexplosion in der Region von Bagdad kamen am Sonntagabend bereits drei US-Soldaten ums Leben. Wie die Armee am Montag mitteilte, explodierte der Sprengsatz im Südwesten der irakischen Hauptstadt.

Rice sagte in dem "Time"-Interview weiter, Irak habe ein Problem mit Gewalt. Jedoch glaube sie nicht, dass die Institutionen zusammenbrächen. Die Menschen hätten sich für ein vereintes Irak entschieden. Talabani sagte auf einer Pressekonferenz in Bagdad: "Ich glaube nicht, dass es einen Bürgerkrieg im Irak geben wird." (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben