Irak : Tote bei Sturm auf Polizeirevier

Extremisten haben im Irak am Dienstag 45 Gesinnungsgenossen aus einem Polizeigefängnis befreit und dabei 17 Polizisten getötet.

Bagdad/Amman - Nach Polizeiangaben wurden sieben weitere Beamte verletzt, als die Angreifer mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten das Polizeirevier von Makdadija stürmten. Augenzeugen in der rund 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad gelegenen Ortschaft berichteten, die Angreifer seien am frühen Morgen in sieben Autos vorgefahren. Sie legten die Polizeistation in Schutt und Asche. Das nahe gelegene Gerichtsgebäude und 15 Polizeiwagen gingen in Flammen auf.

Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten nahm den dritten Jahrestag des Beginns der Invasion im Irak (20. März 2003) zum Anlass, um die Iraker zum Widerstand gegen die ausländischen Truppen aufzurufen. Ein führendes Mitglied des Rates, das seinen Namen nicht veröffentlicht sehen wollte, sagte am Dienstag in der westirakischen Aufständischen-Hochburg Falludscha: «Die Iraker müssen ihre Anstrengungen im Widerstand (gegen die ausländischen Truppen) bündeln und verhindern, dass die Amerikaner ihre bösartigen Pläne umsetzen und aus dem Kampf einen Kampf von Irakern gegen Iraker machen.»

Dutzende palästinensische Flüchtlinge aus dem Irak sind nach Angaben der Vereinten Nationen in den vergangenen Tagen nach Jordanien geflüchtet. In den vergangenen 48 Stunden seien 89 Palästinenser, darunter 42 Kinder, an der jordanisch-irakischen Grenze angekommen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Amman. Die Palästinenser hätten den Irak aus Sicherheitsgründen verlassen. Ein UNHCR-Sprecher warnte vor einem Massenexodus. Im Irak leben schätzungsweise 34 000 Palästinenser, die nach eigenen Angaben zunehmend Ziel von Angriffen radikaler Schiiten werden.

Ein britischer General wies Äußerungen des früheren irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi zu einem Bürgerkrieg im seinem Land zurück. Der Irak befinde sich nicht einem Bürgerkrieg, das sei «eine aufrührerische Behauptung», sagte General Rob Fry, stellvertretender Befehlshaber der internationalen Truppen im Irak, dem britischen Sender BBC am Dienstag. Allawi hatte am Wochenende der BBC gesagt: «Jeden Tag gibt es 50 bis 60 Tote, wenn das kein Bürgerkrieg ist, weiß nur Gott, was ein Bürgerkrieg ist.»

In der schiitischen Pilgerstadt Kerbela endeten am Dienstag die Feierlichkeiten zur Erinnerung an das Ende der Trauerzeit für den im Jahr 680 getöteten Imam Hussein. Innenminister Bajan Bakr Solagh erklärte, rund sechs Millionen Gläubige seien zu dem religiösen Großereignis nach Kerbela gepilgert. Andere Beobachter sprachen von rund zwei Millionen Pilgern. Der Minister sagte, die Einheiten seines Ministeriums hätten sich ein Gefechte mit Extremisten geliefert, die versucht hätten, Raketen auf die Gläubigen abzufeuern.

Nachdem die Verhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung erneut verschoben worden waren, sprach am Dienstag eine von Vizepräsident Adel Abdul Mahdi geleitete Delegation bei dem geistigen Oberhaupt der Schiiten, Großajatollah Ali al-Sistani, in Nadschaf vor. Al-Sistani habe die Parteien aufgerufen, sich rasch zu einigen, sagte Abdul Mahdi. Die US-Armee setzte am Dienstag ihre Offensive im Nordirak fort. Die Operation «Schwärmer» habe gezeigt, dass die irakischen Sicherheitskräfte immer besser in der Lage seien, die Verantwortung für die Sicherheit im Lande zu übernehmen, sagte ein Armeesprecher. (tso/dpa)

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