Irak : Türkische Armee bombardiert PKK-Stellungen

Im Konflikt mit den Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat die türkische Armee in der Nacht zum Sonntag Luftangriffe auf mehrere Dörfer im kurdischen Nordirak geflogen. Angaben über mögliche Opfer gibt es noch nicht. Noch immer droht die Türkei mit einem Einmarsch in das krisengeschüttelte Nachbarland.

Suleimanija/Ankara"Acht türkische Militärflugzeuge haben heute früh einige Dörfer entlang der (irakisch-türkischen) Grenze in der Nähe der Kandilberge bombardiert", sagte Dschabbar Jawar, Sprecher der "Peschmerga", der Sicherheitskräfte im autonomen kurdischen Nordirak. Die türkische Armee bestätigte die Luftangriffe auf ihrer Homepage im Internet. Angaben über mögliche Opfer gibt es noch nicht.

Die Flugzeuge hätten Gebiete um Sap, Kakurk und Awasin sowie die Kandilberge angegriffen, teilte der türkische Generalstab mit. Die Bombardements begannen demnach um 1 Uhr Ortszeit (Mitternacht MEZ), um 4:15 Uhr Ortszeit (3:15 Uhr MEZ) kehrten die Flugzeuge zu ihren Einheiten zurück. Die Artillerie setzte ihre Angriffe auf die Ziele den Angaben zufolge zunächst fort. Die Militäraktion habe sich nur gegen PKK-Rebellen gerichtet und nicht gegen irakische Kurden, erklärte der Generalstab. Ähnliche Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak hatte die türkische Armee zum ersten Mal am 1. Dezember geflogen.

Der Peschmerga-Sprecher im Nordirak erklärte, einige Brücken zwischen Dörfern nahe der Kandilberge seien beschädigt worden. Einige Familien seien auf der Flucht. "Wir haben unsere Grenzbeamten losgeschickt, um möglichen Opfern zu helfen und Schäden zu erfassen", sagte Jawar.

Das unwirtliche, schwer zugängliche Kandil-Gebirge im Grenzgebiet zur Türkei und zum Iran gilt als Rückzugsgebiet der PKK-Rebellen. Das türkische Parlament hatte die Regierung im Oktober ermächtigt, falls notwendig Truppen in den Nordirak zu entsenden, um dort Stellungen der PKK anzugreifen. Seither hat die Armee rund 100.000 Soldaten und militärische Ausrüstung an der Grenze zum Irak zusammengezogen.

Die Türkei droht seit Wochen mit einem Einmarsch in den Norden des Irak, wo wichtige Stützpunkte der PKK liegen. Sie wirft den Kurden im Nachbarland vor, die PKK zu unterstützen. Die USA und die irakische Zentralregierung, die im nördlichen Kurdengebiet wenig Einfluss hat, sind gegen einen militärischen Angriff. Die USA liefern Ankara für gezielte Aktionen Geheimdienstinformationen über PKK-Stützpunkte, um eine größere Militärinvasion in den relativ ruhigen Nordirak zu verhindern.

Im Konflikt zwischen PKK und türkischer Armee sind seit 1984 mehr als 37.000 Menschen getötet worden. Ankara weigert sich bisher kategorisch, mit den Rebellen zu verhandeln. Die Türkei, die EU und die USA betrachten die PKK als terroristische Organisation. (rope/AFP)

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