Irak : US-Botschafter warnt vor Flächenbrand

In einer Analyse hat der US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, vor einem Bürgerkrieg und einem Flächenbrand in der gesamten Golfregion gewarnt. Dies hätte katastrophale Folgen für die Energieversorgung.

Washington - Der Sturz von Ex-Staatschef Saddam Hussein vor drei Jahren habe eine «Büchse der Pandora» geöffnet, sagte Khalilzad nach einem Bericht der «Los Angeles Times». Sollten die USA ihre Truppen zu früh aus dem Irak abziehen, könnte die gesamte Golfregion in einem Krieg versinken. Khalilzad äußerte sich wenige Tage vor einer neuen Einschätzung der US-Regierung, ob die Situation im Irak einen Teilabzug der Truppen von derzeit 130.000 auf rund 100.000 Soldaten möglich mache.

Aus Sicht Khalilzads ist im Irak das Potenzial dafür vorhanden, dass sich die Gewalt zwischen den Religionsgruppen zu einem umfassenden Bürgerkrieg ausweitet. Damit bestehe das Risiko eines regionalen Konfliktes, in dem Araber an der Seite der Sunniten und der Iran an der Seite der Schiiten kämpfen würden, sagte Khalilzad. Das sei eine noch größere Version des Krieges zwischen dem Irak und Iran in den 80er Jahren, bei dem mehr als eine Million Menschen getötet worden seien.

Die Frage, wie es weitergeht

Im schlimmsten Fall könnten religiöse Extremisten ganze Landstriche im Irak übernehmen und sich von dort auf andere Länder ausbreiten, sagte Khalilzad. Der Botschafter warnte außerdem vor den katastrophalen Folgen, falls die Erdöl- und Erdgasversorgung aus der Golfregion unterbrochen werden sollte.

«Wir haben die 'Büchse der Pandora' geöffnet, und die Frage ist, wie es jetzt weitergeht», sagte Khalilzad. Ein Ausweg sei, Brücken zwischen den einzelnen Gemeinschaften im Irak zu schlagen. Khalilzad zeichnete ein völlig gegensätzliches Bild von der Lage im Irak als Generalstabschef Peter Pace. Pace sagte am Sonntag, dass die Dinge im Irak «sehr, sehr gut» verliefen. (tso/dpa)

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