Irak : USA nach Angriff auf Syrien unter Druck

Seit 2006 kamen hunderte Al-Qaida-Kämpfer über die syrische Grenze in den Irak. Das könnte der Grund für Militäraktion der USA auf syrischem Boden gewesen sein. Das Vorgehen der USA löst eine diplomatische Krise aus.

Bagdad/Washington/Damaskus Nach der Kommandoaktion amerikanischer Soldaten in Syrien reißt die Kritik an den USA nicht ab. Die syrische Regierung ordnete am Dienstag die Schließung des US-Kulturzentrums und einer amerikanischen Schule in Damaskus an. EU-Chefdiplomat Javier Solana äußerte sich "besorgt" über den Angriff, bei dem am Sonntag nach offiziellen syrischen Angaben acht Zivilisten getötet worden waren. Die Regierung in Washington und das US-Militärkommando in Bagdad nahmen weiterhin nicht offiziell Stellung zu der Kommandoaktion, die in einem Dorf acht Kilometer vor der Grenze zum Irak stattfand.

US-Medienberichten zufolge bezeichneten Regierungsbeamte in Washington den Angriff als Mahnung an die Adresse Syriens, das den Zustrom von Extremisten in den Irak unterbinden müsse. Ziel der Operation sei der mutmaßliche Anführer eines Terroristenrings gewesen. Abu Ghadija sei bei der Kommandoaktion getötet oder verletzt worden. Mehrere andere bewaffnete Männer seien ums Leben gekommen.

Zustrom von Al-Qaida-Kämpfern in den Irak

Der angeblich in Syrien ansässige Iraker Badran Turki al-Hisan alias Abu Ghadija war im vergangenen Februar von der US-Regierung als einer der wichtigsten Schleuser für Al-Qaida-Terroristen auf dem Weg in den Irak bezeichnet worden. Gemeinsam mit einem Bruder und zwei Cousins soll er Extremisten mit falschen Pässen, Waffen und sicheren Unterkünften versorgt haben.

Die USA hatten in der Vergangenheit oft darüber geklagt, dass die syrische Regierung arabischen Kämpfern die Durchreise durch ihr Land erlaube. US-Militärs haben jedoch seit 2007 hervorgehoben, dass der Zustrom nachgelassen habe. Der "Washington Post" zufolge gelangten zuletzt etwa 20 Kämpfer pro Monat über Syrien in den Irak, während es 2006 noch mehr als 100 waren. Der arabische Nachrichtensender Al-Arabija berichtete am Dienstag unter Berufung auf Polizisten an der Grenze zu Syrien, die US-Soldaten hätten von den irakischen Sicherheitsbehörden Informationen über den Aufenthaltsort des gesuchten Al-Qaida-Terroristen erhalten.

Die irakische Islamische Partei von Vizepräsident Tarik al-Haschimi erklärte, der Angriff belaste die Beziehungen zwischen dem Irak und dem "Bruderland" Syrien, das nach der US-Invasion im Frühjahr 2003 Hunderttausende irakischer Flüchtlinge aufgenommen habe. Auch die Partei des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr verurteilte die Attacke. (ae/dpa)

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