Politik : Irak: Wollen Briten Kontrollflüge einstellen?

Birgit Cerha

In Großbritannien herrscht Unsicherheit über die Fortsetzung der amerikanisch-britischen Überwachungsflüge im Süden des Irak. Die britische Zeitung "The Guardian" hatte berichtet, die britische Regierung wolle der künftigen US-Regierung die Einstellung der Überwachungsflüge vorschlagen. Als Gründe nannte die Zeitung die Gefahr eines Abschusses sowie Berichte der Vereinten Nationen, in denen von zivilen Opfern durch amerikanisch-britische Angriffe die Rede sei. Ein Regierungssprecher dementierte den Zeitungsbericht am Montag jedoch. Britische und amerikanische Flugzeuge kontrollieren seit 1992 die Flugverbotszonen im Norden und Süden Iraks, die nach dem Golfkrieg zum Schutz der dort lebenden Kurden und Schiiten eingerichtet worden waren.

Für Saddam Hussein dürfte die Diskussion eine willkommene Ablenkung von Gerüchten um seinen Gesundheitszustand sein. Irakische Oppositionsquellen im Ausland sowie arabische Medien hatten behauptet, Saddam hätte am 31. Dezember bei einer Militärparade einen schweren Schlaganfall erlitten. Vertreter des Regimes dementierten die Berichte mit ungewöhnlicher Schärfe. Doch es ist gerade diese Reaktion, die Beobachter skeptisch stimmt.

Im Juli fiel Beobachtern der merkwürdige philosophisch-düstere Ton und die ungewöhnliche Kürze von Saddam Husseins Rede zum 32. Jahrestag der Machtübernahme der regierenden Baath-Partei auf. Doch zwei Wochen später bestätigte der venezolanische Präsident Hugo Chavez nach einem Besuch in Bagdad, Saddam erfreue sich guter Gesundheit. Im September wiederum hieß es, der irakische Herrscher leide an Lymphdrüsenkrebs in fortgeschrittenem Stadium.

Diktator "robust und gesund"

Am vergangenen Samstag schließlich strahlte das irakische Fernsehen eine 15-minütige Rede des Präsidenten an die Nation aus, und Regierungskreise beeilten sich hinterher zu betonen, Saddam habe "robust und gesund" gewirkt. Doch niemand konnte bestätigen, dass die Ansprache nicht vorher aufgezeichnet worden war.

Kenner des Iraks stimmen darin überein, dass das Regime Interesse haben könnte, eine ernsthafte Erkrankung oder gar den Tod des Herrschers solange geheim zu halten bis die Position des Nachfolgers abgesichert ist. Und niemand erwartet einen reibungslosen Übergang der Macht. Saddams Söhne, der nach einem Attentat 1996 gesundheitlich offenbar immer noch angeschlagene Uday, sowie Qusay hegen tiefes Misstrauen und gar Ressentiments gegeneinander. Ein Rivalitätskampf zwischen den beiden skrupellosen Männern erscheint nach Meinung von Beobachtern im Falle des Todes von Saddam unausweichlich. Ob damit allerdings das Regime selbst ins Wanken gerät, ist fraglich.

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