Politik : Irak: Zwölf Millionen für Deutsche?

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Berlin/Bagdad - Die Entführer der beiden im Irak verschleppten Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke fordern angeblich zwölf Millionen Dollar Lösegeld. Das berichtete „Focus“ unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise. Das Auswärtige Amt wollte den Bericht nicht bestätigen. „Zu solchen Spekulationen nehmen wir keine Stellung“, sagte ein Sprecher in Berlin.

Unterdessen haben Angehörige und Kollegen der beiden Deutschen der Bundesregierung mangelndes Engagement vorgeworfen: „In mir macht sich das Gefühl breit, dass in den Fällen Osthoff und Chrobog andere Maßstäbe zur Geltung gekommen sind als in unserem Fall“, sagte Karin Berndt, Prokuristin der Firma Cryotec, für die beide Ingenieure arbeiten, am Donnerstag während einer Mahnwache in Leipzig. „Ich hoffe, dass mich in Kürze Tatsachen eines Besseren belehren werden“, fügte sie hinzu.

Der ehemalige Diplomat Jürgen Chrobog war Ende Dezember in Jemen, die Archäologin Susanne Osthoff zuvor im Irak entführt worden. Beide waren nach kurzer Zeit wieder frei. Für Osthoffs Freilassung hat die Bundesregierung angeblich rund fünf Millionen Dollar Lösegeld bezahlt.

Die Mutter des entführten René Bräunlich, Ingeborg Bräunlich, appellierte an die Bundesregierung, „endlich zu handeln“. Sie könne nicht verstehen, dass es so lange dauere, das vergangenes Wochenende bekannt gewordene Video auszuwerten, auf dem die beiden Entführten um Hilfe flehen. „Die Bundesregierung muss das jetzt einfach umsetzen“, forderte Bräunlich.

Derweil nimmt die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten im Irak kein Ende. So starben am Karfreitag in Bakuba vier Menschen, als nach dem Gebet Sprengsätze vor zwei sunnitischen Moscheen explodierten. In der schiitischen Pilgerstadt Kerbela gab ein Vertrauter von Großajatollah Ali al Sistani in seiner Freitagspredigt den Vertretern der größeren Fraktionen im Parlament die Schuld an der Anarchie im Lande. „Es gibt eine Vertrauenskrise zwischen den Parteien, und ich gebe ihnen die Verantwortung für die schlechte Sicherheitslage“, sagte Ahmed al Safi vor rund 1000 Gläubigen.

In Basra fand die Polizei am Freitag die Leichen von elf Mitarbeitern einer Baufirma, die am Vortag entführt worden waren. Bei einer Attacke auf einen Polizeikonvoi starben sechs Beamte, Dutzende weitere Polizisten wurden entführt. Bei der Explosion einer Autobombe auf einem Markt in Tadschi im Norden Bagdads starben am Donnerstagabend 15 Menschen. ddp/dpa

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